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„Wir kommen mit dem klaren Ziel, etwas zu verändern“

Arbeitssicherheitsjournal 2010, 7

Thema: „Wir kommen mit dem klaren Ziel, etwas zu verändern“
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: [keine Angabe]
Rubrik: arbeitssicherheit.titelthema
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2010, 7 (Heft 6)

„Wir kommen mit dem klaren Ziel, etwas zu verändern“

„Wir kommen mit dem klaren Ziel, etwas zu verändern“ - Arbeitssicherheitsjournal 2010 Heft 6 - 7

Projektleiter Christoph Henke (CH) und die Systemarchitekten Nils Jattkowski (NJ) und Andreas Schütt (AS) haben in den letzten Monaten das Gefahrstoffmanagement einer Werft auf Vordermann gebracht. arbeitssicherheit.journal wollte von den drei Experten der Hamburger eska Ingenieurgesellschaft wissen, worauf es bei der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der Abteilung für Arbeitssicherheit und einem externen Dienstleister ankommt. Ein Gespräch über Zeitpläne, Vertrauen und Kommunikation.

arbeitssicherheit.journal: Was gab den Anstoß für das Großprojekt „Gefahrstoffmanagement auf der Werft“?

AS: Wir beschäftigen uns schon seit Anfang der 1990er Jahre mit Gefahrstoff-Fragen, und seit dieser Zeit entwickeln wir auch entsprechende Software. So wird eska-Software zum Gefahrstoffmanagement bereits in anderen Branchen eingesetzt, zum Beispiel in der Automobilindustrie. Diese Standardlösung haben wir den Schiffbauern schon vor acht Jahren das erste Mal vorgestellt.

Das heißt, man braucht einen langen Atem für so ein Projekt?

CH: Unser Angebot stieß zwar gleich auf Interesse, aber dann waren zunächst andere Aufgaben wichtiger. Die ernsthafte Arbeit am Projekt begann vor etwa zweieinhalb Jahren.

So viel Zeit muss man in einem Unternehmen dieser Größenordnung aber auf jeden Fall einplanen, denn je gründlicher die Vorbereitungsphase, umso reibungsloser läuft dann die Einführung des neuen Systems.

Wie aufwendig ist die Vorbereitung eines solchen Projekts für den Auftraggeber?

AS: Zunächst müssen sich die Verantwortlichen für Arbeitssicherheit und die Führungskräfte natürlich über ihre Ansprüche klar werden. Bereits in dieser Phase ist eine enge Zusammenarbeit mit dem – künftigen – Dienstleister wichtig. In unserem Fall haben wir in gemeinsamen Gesprächen festgestellt, dass die vorhandene Software noch nicht gut genug die speziellen Anforderungen einer Werft erfüllt. So wurde immer klarer, dass statt einer „einfachen Datenbank“ eine integrierte Dienstleistungslösung gebraucht wird. Solch eine Entscheidung fällt sicher nicht innerhalb einer Viertelstunde. Die Aufgaben müssen eindeutig definiert, Angebote eingeholt und verglichen werden.

CH: Die eigentliche Abschätzung des Arbeitsaufwands ist aber nicht so aufwendig. Hier genügt für uns als Dienstleister die vorhandene Gefahrstoffübersicht. Die muss nicht extra für die Externen aufpoliert werden. Denn wir starten unsere Arbeit sowieso mit einer Bestandsaufnahme. Von der Übersicht erwarten wir nicht mehr als eine „Hausnummer“: Haben wir es mit 20, 200 oder eher 2.000 Gefahrstoffen zu tun?

Und bei einem ersten Rundgang verdoppelt sich dann die Zahl der Gefahrstoffe?

CH: Das kann passieren. Wir erleben aber auch das Gegenteil. Die Werft hatte beispielsweise in ihren Listen rund 750 Gefahrstoffe aufgeführt. Nach der Bestandsaufnahme, die übrigens nicht mit einem einzigen Rundgang erledigt war, blieben dann nur noch 400 übrig. Und das, obwohl wir natürlich auch einige Produkte entdeckt haben, die nicht in den Listen auftauchten.

AS: Das ist ja der Vorteil eines externen Beraters: Wir sind noch nicht betriebsblind und wir schauen nicht nur nach Verpackungen mit Gefahrstoffkennzeichen, sondern auch nach den sprichwörtlichen Sprudelflaschen, in die leider immer wieder Reiniger, Lösungsmittel oder andere Chemikalien abgefüllt werden.

Auf die Kooperation der Mitarbeiter sind Sie als externe Kräfte ja in jeder Phase des Projekts angewiesen. Wie schafft man eine positive Atmosphäre?

AS: Hier zahlt sich häufige Präsenz vor Ort aus. Das sollten Auftraggeber übrigens neben der Fachkompetenz bei der Auswahl einer Beratungsfirma bedenken.

CH: Ja, das spielt auf jeden Fall eine Rolle. Ich war im ersten halben Jahr des Projekts etwa einmal wöchentlich für einen Tag im Unternehmen. Nur so konnte ich mir tatsächlich einen Überblick über die Zusammenhänge verschaffen und ganz in Ruhe auch die Mitarbeiter kennenlernen und ohne Druck mit ihnen ins Gespräch kommen.

Ein Tag pro Woche – ist das nicht für die interne Arbeitssicherheitsabteilung eine enorme zeitliche Belastung?

CH: Eindeutig nicht. Bei ersten gemeinsamen Rundgängen wurden wir den Meistern, Vorarbeitern und FASIs vorgestellt. Danach habe ich dann nur noch abgestimmt, wann ich welche Abteilungen besuchen will und konnte mich dann ungehindert in der Firma bewegen.

Und wie reagieren die Mitarbeiter auf die „Besserwisser“?

CH: Anfangs war die Resonanz eher verhalten. Wir kommen schließlich von außen mit dem klaren Ziel, etwas zu verändern. Da ist Skepsis eine normale Reaktion. Doch im Lauf des Projekts entwickelte sich unser Verhältnis sehr positiv. Man muss als Berater einfach auch Geduld haben. Inzwischen profitieren die Meister und Vorarbeiter ja von unserem Input: Sie können jetzt zu jeder Zeit und an jedem Ort auf die garantiert aktuellen Sicherheitsdatenblätter zu greifen.

Da das Gefahrstoffmanagement nicht ihr Hauptgeschäft ist, stellt das natürlich eine erhebliche Entlastung dar. Setzen sie einen neuen Gefahrstoff ein, genügt einfach eine kurze Info an uns. Wir besorgen das Sicherheitsdatenblatt und pflegen Angaben wie Inhaltsstoffe, Einstufungen, Rezepturen oder physikalische Eigenschaften wie den Flammpunkt in die Datenbank ein. Inzwischen wissen sie es zu schätzen, dass sie sich darum nicht mehr kümmern müssen.

AS: So ähnlich erleben das übrigens auch die Führungskräfte. Die Vorschriften räumen den Verantwortlichen immer mehr Freiheiten bei der Umsetzung ein. Das ist nicht schlecht – aber nur für Leute, die sicher im Thema sind. Wer sich da nicht hundertprozentig auskennt, wird immer mit einem unguten Gefühl nach Hause gehen. Das verschwindet, wenn man mit einem Dienstleister zusammenarbeitet, auf den man sich verlassen kann.