Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Sichere Arbeit in der Höhe

Beckers,, Arbeitssicherheitsjournal 2010, 15

Thema: Sichere Arbeit in der Höhe
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Ludwig Beckers,
Rubrik: arbeitssicherheit.fokus
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2010, 15 - 16 (Heft 5)

Sichere Arbeit in der Höhe

Ludwig Beckers,, Kevelaer, Mitglied im Normausschuss und Inhaber der ABS Safety GmbH
Beckers,: Sichere Arbeit in der Höhe - Arbeitssicherheitsjournal 2010 Heft 5 - 15 >>

Foto: ABS Safety GmbH

Ein Drittel aller tödlichen Arbeitsunfälle geht auf das Konto von Abstürzen. Absturzsicherungen, die Beschäftigte auf Baustellen, in Montagehallen etc. schützen, können Leben retten.

Abstürze zählen zu den häufigsten Ursachen tödlicher Arbeitsunfälle. Besonders in der Baubranche und unter Dachdeckern ist das Risiko hoch, aber auch die Maschinenwartung oder die Arbeit auf industriellen Versorgungsstegen kann zum tödlichen Drahtseilakt werden. Weil die Tätigkeitsfelder, die die Installation einer zuverlässigen Absturzsicherung erfordern, stark variieren, ist die Personensicherung bei Arbeiten in der Höhe entsprechend vielseitig: Bei der Wartung von großen Fahrzeugen sind andere Maßnahmen zur Absturzsicherung notwendig als bei der Installation von Photovoltaik-Anlagen.

Und schon verschiedene Dachtypen erfordern den Einsatz vollkommen unterschiedlicher Schutzvorkehrungen. Um Menschen bei der Arbeit Sicherheitsvorrichtungen bereitzustellen, die akzeptiert werden und bei den routinemäßigen Tätigkeiten nicht stören, bedarf es zudem einer guten Kenntnis des konkreten Arbeitsumfeldes und einer sorgfältigen Planung.

Rechtliche Grundlagen und BG-Vorgaben

Absturzsicherung ist kein Luxus, sondern eine sinnvolle Pflicht. In Deutschland definieren die berufsgenossenschaftlichen Vorschriften und Regelungen (BGV/BGR) spezielle Sicherungsmaßnahmen zur Prävention von Absturzunfällen für die unterschiedlichen Branchen und Arbeitsfelder. So regelt die BGV C22 die Absturzsicherung bei Bauarbeiten, wohingegen sich die BGR 203 mit der Absturzsicherung bei Dacharbeiten befasst.

Den berufsgenossenschaftlichen Regelungen übergeordnet, reglementiert die DIN 4426 die „Sicherheitstechnischen Anforderungen an Arbeitsplätze und Verkehrswege“. Grundsätzlich schreibt die DIN 4426 vor, dass an Arbeitsplätzen und Verkehrswegen Einrichtungen vorhanden sein müssen, die einen Absturz von Personen verhindern – und das bereits ab einer Fallhöhe von mehr als einem Meter zur nächsten tragfähigen Fläche, wenn der Abstand zwischen Verkehrsweg und der absturzgefährdeten Kante weniger als zwei Meter beträgt. Auf Schrägdächern mit einer Neigung von über 20 Grad sowie über offenen Gewässern oder vergleichbaren Umfeldern, die die Gefahr des Versinkens oder Ertrinkens mit sich bringen, sind Sicherungsmaßnahmen grundsätzlich vorgeschrieben. Außerdem unterliegen die verschiedenen Absturzsicherungssysteme in Deutschland einer Prüf- und Zertifizierungspflicht.

Die EN 795 schreibt vor, wie Anschlagsysteme beschaffen sein müssen, und unterscheidet dabei fünf Klassen: Klasse A betrifft Einzelanschlagpunkte, Klasse B Mobile Anschlageinrichtungen, Klasse C Seilsicherungssysteme, Klasse D Führungsschienensysteme und Klasse E schließlich durch Eigengewicht gehaltene Anschlageinrichtungen. Diese verbindlichen Regelungen schützen Menschen vor lebensbedrohlichen und tödlichen Unfällen – und sollten nicht zuletzt aus haftungsrechtlichen Gründen beachtet werden.

Verantwortung bei einem Unfall

Bei der Absturzsicherung variieren die Verantwortlichkeiten je nach Umfeld. Zunächst müssen Gebäudeeigner dafür Sorge tragen, dass adäquate Schutzvorrichtungen überhaupt vorhanden sind. Bei Bauprojekten hingegen ist der Bauherr in der Pflicht, seinen Mitarbeitern einen sicheren Arbeitseinsatz zu ermöglichen. Darüber hinaus ist auch der Architekt verpflichtet, die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen schon in der Planung zu berücksichtigen.

Damit die Sicherheitsvorkehrungen vor Ort tatsächlich auch umgesetzt werden, sind für Bauvorhaben, bei denen Beschäftigte verschiedener Arbeitgeber eingesetzt werden, sogenannte Sicherheits- und Gesundheitskoordinatoren zu bestellen. All das nützt jedoch nichts, wenn sich Mitarbeiter nicht an die Vorschriften halten und vorhandene Sicherheitsvorkehrungen nicht verwenden. Eine mangelnde Akzeptanz führt nach wie vor dazu, dass Personen sich in absturzgefährdete Bereiche begeben, ohne sich angemessen abzusichern.

Mangelnde Akzeptanz aufgrund komplizierter Technik?

Ein grundsätzliches Problem der Arbeitssicherheit ist nach wie vor, dass Schutzvorkehrungen schlicht nicht genutzt werden. Ebenso wie PSA (Persönliche Schutzausrüstung) häufig aus mangelnder Benutzerfreundlichkeit oder anderen Gründen nicht getragen wird, werden auch Absturzsicherungen oftmals nicht verwendet. Das ist teilweise darauf zurückzuführen, dass die technische Sicherung vor tödlichen Stürzen in den Köpfen einiger Menschen nicht dem Berufsbild entspricht. In der Baubranche gilt das Tragen eines Sicherungsgurtes beispielsweise häufig noch als ein Kennzeichen von Schwäche oder Feigheit, aber auch Dachdecker sieht man eher selten höhengesichert bei der Arbeit.

Auch das häufig angeführte Argument, derartige Systeme behinderten die Arbeit, sollte dabei nicht entschuldigen – selbst dann nicht, wenn dieser Einwand auf ein tatsächliches Problem hinweist. Denn in der Tat sind die verschiedenen Absturzsicherungsvorkehrungen nicht immer einfach in der Handhabung. Offensichtlich wird dies etwa bei den Sicherungsgurten, die der Anwender am Körper tragen muss, um sich an einem Anschlagpunkt oder einem Seilsicherungssystem überhaupt befestigen zu können. Eher selten ist auf Anhieb zu erkennen, wie der Gurt richtig angelegt werden muss. Grundsätzlich gilt: je günstiger das Produkt, desto unzureichender die Beschreibung – sofern eine Bedienungsanleitung überhaupt noch vorhanden ist.

Das Problem geht allerdings noch weiter. Wirklich prekär wird die Situation, wenn ein Anschlagpunkt oder ein Seilsicherungssystem tatsächlich so installiert wird, dass die eigentlichen Einsatzfelder gar nicht mehr erreicht werden können oder routinemäßige Arbeiten stark verkompliziert werden. So lässt sich mit einer Vielzahl von Einzelanschlagpunkten zwar durchaus ein komplettes Flachdach sichern. Bei häufig genutzten Arbeitswegen stellt sich jedoch die berechtigte Frage, wie effizient der Anwender seiner Tätigkeit nachgehen kann, wenn er sich alle paar Meter neu anschlagen muss. Umso wichtiger ist die sorgfältige Planung, die der Montage von Vorrichtungen zur Absturzsicherung zwingend vorausgehen sollte.

Die Planung muss stimmen

Die Planungsphase ist für die Funktionalität von Absturzsicherungssystemen aus zwei Gründen unerlässlich. Erstens sollen derartige Systeme in erster Linie ja Verkehrs- und Arbeitswege sichern. Das bedeutet natürlich auch, dass sie die zu erledigenden Tätigkeiten nach Möglichkeit nicht behindern sollten. Um dies zu gewährleisten, ist ein genauer Blick auf das jeweilige Arbeitsumfeld notwendig, wie die Praxis immer wieder bestätigt.

Ein Sicherungssystem, das den Anwender etwa während der Reinigung der Dachrinne schützen soll, ist nur dann effektiv, wenn die gesicherte Person die Dachrinne an jeder Stelle erreichen kann. Ist dies nicht möglich, entscheidet sich der Anwender im schlimmsten Fall dazu, auf die Verwendung des Absturzsicherungssystems ganz zu verzichten.

Der zweite Grund dafür, dass ein Absturzsicherungssystem gut geplant sein sollte, ist offensichtlicher: Nur fachgerecht montierte Schutzvorrichtungen bieten im Ernstfall auch den nötigen Schutz. Das einfachste Beispiel für eine mangelhafte Installation ist die horizontale Montage eines Anschlagpunktes, der nur für die vertikale Belastung ausgelegt ist. Kommt es dann zu einem Sturz, kann der unsachgemäß montierte Anschlagpunkt einfach abreißen. Eine gefährliche oder sogar tödliche Verletzung ist hier programmiert.

Und selbst das technisch ausgereifteste System nützt nichts, wenn der Befestigungsuntergrund nicht den bei einem Sturz auftretenden Kräften standhält. Eine Prüfung des jeweiligen Untergrunds kann diese Frage jedoch schnell klären – und wenn man sich ein Bild von den relevanten Rahmenbedingungen gemacht hat, findet sich auf dem Markt für nahezu jeden Untergrund eine geeignete Lösung. Für Holz ab 18 Millimetern Stärke, Blech ab einem halben Millimeter Stärke und auch für gerissenen Beton bieten führende Hersteller hochwertige Produkte an, die bei sachgerechter Montage einen zuverlässigen Schutz bieten.

Beckers,: Sichere Arbeit in der Höhe - Arbeitssicherheitsjournal 2010 Heft 5 - 16 <<

Absturzsicherungssysteme werden grundsätzlich für drei Anwendungszwecke genutzt:

Rückhaltesysteme sorgen dafür, dass der Anwender gar nicht erst zu nahe an die jeweilige Absturzkante gelangen kann. Bei der Arbeit auf dem Dach würde dies also bedeuten, dass das sogenannte Verbindungsmittel auf eine Länge begrenzt ist, die es dem Dachdecker, Monteur oder Reinigungspersonal nicht ermöglicht, einen Schritt über die Dachkante hinaus zu tun.

Positionierungssysteme halten den Anwender hingegen sicher an seinem Arbeitsort und verhindern einen freien Fall, etwa beim Steigschutz.

Auffangsysteme sollen schließlich verhindern, dass der Anwender bei einem Sturz zu tief fällt oder gar aufschlägt. Sie fangen den Anwender auf, der dann innerhalb kürzester Zeit gerettet werden muss, damit keine schwerwiegenden Gesundheitsschäden zurückbleiben, etwa aufgrund eines Blutstaus.

Grundsätzlich sind Rückhaltesysteme den Auffangsystemen vorzuziehen, doch ist dies in Arbeitsfeldern wie z.B. der Maschinen- oder Fahrzeugwartung nicht immer möglich. In der Flugzeugwartung etwa müssen sich die Wartungstechniker frei auf der gesamten Fläche der Maschine bewegen können, um die Inspektion vorschriftgemäß durchführen zu können. Ein Rückhaltesystem wäre in diesem Fall eher hinderlich, wohingegen sich ein Auffangsystem hier als deutlich praxistauglicher erweist.

Einfacher ist sicherer

Das Spektrum an technisch ausgereiften Lösungen zur Verhinderung von Absturzunfällen ist breit. Doch wie so oft, wenn es um Arbeitssicherheit geht, heißt die Devise: je einfacher, desto sicherer. Dementsprechend ist die einfachste und zuverlässigste Absturzsicherung auch das Geländer, das laut DIN 4426 und Berufsgenossenschaften anderen Schutzvorrichtungen nach Möglichkeit vorzuziehen ist. Manchmal reichen sogar schon einfache Warnketten aus, um Anwender davon abzuhalten, näher als zwei Meter an die Absturzkante zu gelangen.

Geländer und Hinweisschilder eignen sich jedoch nicht für jedes Einsatzgebiet. Schon bei der Gebäudeplanung bereiten Geländer an der absturzgefährdeten Dachkante Architekten und Bauherren oft Sorgen, denn ein fest installiertes Geländer auf dem Dach ist gleichbedeutend mit einer entsprechenden Steigerung der Bauhöhe. An Kanten von Steildächern hingegen ist ein Geländer in der Regel nicht so zu befestigen, dass der vorgeschriebene Montagewinkel eingehalten werden kann.

Und in vielen Bereichen, etwa an industriellen Kranbahnen oder in der Fahrzeugwartung, aber auch bei der Reinigung von Lichtkuppeln oder der Wartung von Rauch- und Wärmeabzügen, würde ein Geländer die notwendigen Arbeiten zu stark behindern oder sogar vollkommen unmöglich machen. Hier bieten sich entweder fixierte Einzelanschlagpunkte, temporäre Systeme, mobile Lösungen oder flexible Seilsicherungssysteme an – ganz abhängig davon, welche Voraussetzungen das Umfeld mit sich bringt und welche Arbeiten von den gesicherten Personen ausgeführt werden müssen.

Anschlagpunkte – fest installiert oder temporär

Die vermutlich bekannteste technische Lösung für die Absturzsicherung ist der Einzelanschlagpunkt. Um einen absturzgefährdeten Bereich zu sichern, installiert man einen Anschlagpunkt entweder direkt am Montageuntergrund, etwa in Beton, oder über eine Edelstahlstütze. Der eigentliche Befestigungspunkt ist ein Edelstahlring, an den sich der Anwender mit seiner Sicherung anschlagen kann.

Dazu benötigt er einen Auffanggurt, den er am Körper tragen muss, und der daher zur persönlichen Schutzausrüstung gezählt wird. Ein Seil, das sogenannte Verbindungsmittel, stellt dann die Verbindung zwischen Anwender und Anschlagpunkt her. Es ist an beiden Enden mit Karabinerhaken zur einfachen Befestigung ausgestattet und verfügt zudem über einen Bandfalldämpfer. Dieses Verbindungsglied ist aus speziellem Textil gefertigt und dehnt sich bei hoher Zugbelastung in einem definierten Rahmen aus, um die bei einem Sturz auf den Körper einwirkenden Kräfte zu reduzieren. Optimalen Schutz bieten Systeme mit Edelstahlstützen, die sich bei einem Sturz verformen und auf diese Weise ebenfalls die entstehenden Kräfte mindern. Bei der Planung muss die Ausdehnung des Bandfalldämpfers und die Materialverformung natürlich unbedingt einkalkuliert werden, da sich die Falltiefe entsprechend vergrößert.

Werden mehrere Anschlagpunkte installiert, können auch temporäre Sicherungssysteme verwendet werden. Es handelt sich dabei sozusagen um Seilsicherungssysteme für den spontanen Einsatz. Zwischen zwei oder mehreren Anschlagpunkten wird ein Sicherungsseil gespannt, an das sich der Anwender dann mit einem Karabinerhaken oder auch mit einer speziellen Laufrolle festmachen kann. Empfehlenswert sind hierbei Kernmantelseile, da diese hochwertiger, witterungsbeständiger und deutlich weniger anfällig für Verschleiß sind als Seile aus Polyamid.

Für einen einmaligen oder temporären Einsatz sind auch mobile Anschlagpunkte verfügbar, die durch ihr Eigengewicht sicheren Halt bieten. Moderne Systeme sind mit einfach zu handhabenden Gewichten aus Spezialkunststoff ausgestattet, die flexibel entnommen werden können und ein schnelles versetzen des Anschlagkreuzes ermöglichen. Derartige Systeme werden bevorzugt eingesetzt, um auf Flachdächern eine Durchdringung der Dachhaut zu umgehen. Außerdem können durch ihr Eigengewicht gehaltene Anschlagpunkte auch für eine dauerhafte Sicherung verwendet werden. Die Halteplatten der Anschlagkreuze werden dann beispielsweise in die Dachbepflanzung integriert und mit Kieselsteinen beschwert.

Seilsicherungssysteme für bestmögliche Bewegungsfreiheit

Das technisch ausgereifteste System zur Absturzsicherung stellen voll überfahrbare Seilsicherungssysteme dar. Dabei wird ein Stahlseil mit verschiedenen Kurvenelementen, Zwischen- und Endhaltern über eine längere Distanz montiert und flexibel an die jeweiligen Bedingungen des Arbeitsumfeldes angepasst. Seilsicherungssysteme werden im Idealfall in Verbindung mit einem speziellen Bronzegleiter verwendet, der äußerst reibungslos über das gesamte System inklusive der Zwischenhalter läuft. Diese Technik erlaubt es dem Anwender, sich nach einmaligem Anschlagen über eine größere Strecke frei zu bewegen.

Mit Seilsicherungssystemen können ganze Flachdächer, aber auch Versorgungsstege oder Kranbahnen entlang der gesamten Verkehrswege gesichert werden. Auch für die Montage über Kopf sind Seilsicherungssysteme verfügbar, die beispielsweise dort Verwendung finden, wo der Arbeitsbereich zu weit in der Raummitte liegt, um sich entlang einer Wand zu befestigen. In Flugzeughallen und ähnlich großen Anlagen haben solche Überkopf-Systeme entscheidende Vorteile.

Dank variabler Zwischenhalter, die derzeit schon mit Kurven von 90 Grad auf einer Stütze zu haben sind, können Seilsicherungssysteme sehr flexibel an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. Und Systeme, die ein sechs Millimeter starkes Stahlseil verwenden, sind nicht nur unauffällig, sondern auch kostengünstiger im Vergleich zu Systemen mit stärkeren Stahlseilen.

Sicherung auf dem Schrägdach

Der Dachhaken ist die gängigste Sicherheitsvorkehrung gegen den Sturz vom Schräg- bzw. Steildach. Unter den Dachpfannen direkt auf dem Dachbalken montiert, bieten Dachhaken sowohl die Möglichkeit, eine Leiter einzuhängen, als auch, sich zusätzlich mit einem Verbindungsmittel anzuschlagen. Für die komplette Eindeckung eines Daches oder auch für die Installation einer Photovoltaik-Anlage müssen jedoch umfangreichere Vorkehrungen getroffen werden. Neben Gerüsten an den Dachkanten sind auch temporäre Seilsicherungssysteme für den Einsatz auf dem Steildach verfügbar. An zwei Anschlagpunkten rechts und links auf dem Dach befestigt, kann das Sicherungsseil bei dieser Lösung parallel zum Dachfirst gespannt werden und ermöglicht es dem Dachdecker oder Monteur auf diese Weise, sich frei auf der kompletten Dachhälfte zu bewegen.

Optimaler Schutz, Hand in Hand mit der Praxis

Ein Blick auf die Praxis zeigt, dass sich für nahezu jeden Arbeitsbereich die passende Antwort auf die Frage findet, wie ich mein Personal zuverlässig bei Arbeiten in der Höhe schütze. Letztlich entscheiden nicht nur die Produkte, sondern auch die Planung über die Effizienz eines Absturzsicherungssystems. Zusätzlich stärken die Berufsgenossenschaften mit unterschiedlichen Informationskampagnen und Schulungen das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Absturzsicherung bei der Arbeit. Einige Hersteller schulen zudem kostenlos auch externes Personal, damit eine fachgerechte Montage der jeweiligen Absturzsicherungsvorkehrungen gewährleistet werden kann. All diese Maßnahmen zeigen ihre Wirkung: Obwohl immer noch ein Spitzenreiter in den Unfallstatistiken, geht die Zahl der Absturzunfälle seit Jahren kontinuierlich zurück.

Recht

Die wichtigsten Regelungen zur Absturzsicherung

  1. BGV C22 Absturzsicherung bei Bauarbeiten

  2. BGR 203 Absturzsicherung bei Dacharbeiten

  3. BGR 198 Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz

  4. DIN 4426 sicherheitstechnische Anforderungen an Arbeitsplätze und Verkehrswege

  5. DIN EN 795 schreibt vor, wie Anschlagsysteme beschaffen sein müssen und unterscheidet dabei fünf Klassen:

    Klasse A betrifft Einzelanschlagpunkte, Klasse B Mobile Anschlageinrichtungen, Klasse C Seilsicherungssysteme, Klasse D Führungsschienensysteme und Klasse E schließlich durch Eigengewicht gehaltene Anschlageinrichtungen.

Info

Tödliche Arbeitsunfälle in der gewerblichen Wirtschaft nach Absturzhöhen

Absturzhöhe (in % von 100)

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

unter 3 m

19,5

17,6

15,7

14,4

16,0

16,5

14,8

15,5

16,7

3 m bis unter 5 m

15,4

18,5

21,7

22,7

18,5

16,5

18,2

18,4

24,4

5 m bis unter 10 m

35,8

36,1

33,9

42,3

37,0

40,0

40,9

35,0

24,4

10 m und höher

23,6

22,7

24,3

19,6

24,7

22,4

26,1

28,2

30,0

Absturz aus unbekannter Höhe

5,7

5,0

4,3

1,0

3,7

4,7

0,0

2,9

4,4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unfalltote durch Absturz absolut

123

119

115

97

81

85

88

103

90

Anzahl Unfalltote absolut

353

341

332

312

299

272

265

278

264

Anteil Absturztote an absolut

34,8

34,9

34,6

31,1

27,1

31,3

33,2

37,1

34,1

Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Datenbank „Tödliche Arbeitsunfälle“.

Alle erwähnten Vorschriften im Wortlaut auf www.arbeitssicherheit.de, Webcode 13490