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„Glückliche Mitarbeiter arbeiten besser“

Neuthinger, Arbeitssicherheitsjournal 2010, 7

Thema: „Glückliche Mitarbeiter arbeiten besser“
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Eva-Maria Neuthinger
Rubrik: arbeitssicherheit.titelthema
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2010, 7 (Heft 5)

„Glückliche Mitarbeiter arbeiten besser“

Eva-Maria Neuthinger
Neuthinger: „Glückliche Mitarbeiter arbeiten besser“ - Arbeitssicherheitsjournal 2010 Heft 5 - 7

Dr. Bernhard Kallup ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender des bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel e.V. und Vorstandsvorsitzender des innovativen Büromöbelherstellers Sedus Stoll AG in Waldshut.

arbeitssicherheit.journal: Was läuft erfahrungsgemäß in vielen Betrieben bei der Gestaltung der Büroarbeitsplätze falsch?

Dr. Bernhard Kallup: In der Regel können Sie davon ausgehen, dass die Planungsleistungen des qualifizierten Fachhandels professioneller Art sind. Hierbei werden gegebenenfalls Organisationsstrukturen und Arbeitsabläufe optimiert und in den neuen Bürolayouts berücksichtigt. Funktional mag das alles richtig sein, doch bleiben die emotionalen Bedürfnisse der Büroarbeiter weitestgehend auf der Strecke. Bei der Gestaltung von Büroarbeitsplätzen spielen viele wichtige Faktoren mit. Sie haben Einfluss auf die Bürodynamik, die interne Kommunikation, auf soziale Faktoren und vor allem auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter.

Muss ein ergonomisch ausgerichteter Arbeitsplatz mit höheren Investitionen für den Betrieb verbunden sein?

Zunächst kosten ergonomisch voll ausgestattete Büromöbel mehr Geld als Produkte aus dem Billigkatalog. Zu einem ergonomisch ausgerichteten Arbeitsplatz gehören Büromöbel, die dem Nutzer volle Bewegungsfreiheit ermöglichen – vom dynamischen Drehstuhl mit allen modernen technischen Features wie Verstellmöglichkeiten des Anlehndrucks, der Höhe, des Sitzes, der Lordosenstütze und der Armlehnen. Im Idealfall kommt noch ein höhenverstellbarer Schreibtisch dazu, der das Arbeiten im Sitzen und Stehen ermöglicht.

Rein kalkulatorisch: Rechnet sich das?

Die Investitionen für so einen Arbeitsplatz amortisieren sich sehr schnell durch niedrigeren Krankenstand und geringere Fluktuation. Geht man eine Stufe weiter, das heißt, werden weitere Faktoren wie zum Beispiel Licht, Akustik und Raumklima professionell gelöst bzw. eingesetzt, kann die Office-Performance um bis zu 36 % gesteigert werden. Das hat das Fraunhofer Institut unlängst in einer wissenschaftlichen Langzeitstudie nachgewiesen. Dabei empfindet der Mitarbeiter diese Leistungssteigerung nicht als zusätzliche Belastung. Das Gegenteil ist der Fall: Er arbeitet zufriedener, effizienter und motivierter.

Wie wird ein Arbeitsplatz professionell geplant und ergonomisch ausgerichtet?

Zu einem ergonomisch perfekten Arbeitsplatz gehören alle Faktoren, die Einfluss auf Körper, Geist und Seele haben. Das kann nur mit einem ganzheitlichen Ansatz erzielt werden und nur so kann produktives Wohlfühlen im Büro erreicht werden. Wir haben hierfür das Konzept Place 2.5 entwickelt, das in den letzten Jahren sehr erfolgreich von vielen Unternehmen umgesetzt wurde. Dieses Konzept verbindet den perfekten rationalen Arbeitsplatz, den 2. Place, mit den Emotionen und Stimmungen des 3. Places, das heißt der Erholungsorte. Stellen Sie sich vor, die Mitarbeiter würden abends glücklicher nach Hause gehen, als sie morgens ins Büro gekommen sind. Klingt wie Utopie, aber trifft den Kern der Sache. Tatsache ist, dass glückliche Mitarbeiter auch besser arbeiten und das ist wohl für jeden Unternehmer nachvollziehbar.

Welche Schwachstellen werden häufig von Chef und Mitarbeitern unterschätzt?

Jede Investition in Ergonomie und Ausstattung ist überflüssig, wenn der Führungsstil mangelhaft ist. Es gilt also, ein Umfeld von Vertrauen und Offenheit aufzubauen, das jeder Mitarbeiter zur freien Entfaltung seiner persönlichen Fähigkeiten braucht. Bei aller professionellen Planung, bei aller Liebe zum Detail – das alles hat keinen Sinn, wenn es zwischen der Führungsmannschaft und den Mitarbeitern kriselt. Das Gallup Institut fand heraus, dass sich nur sehr wenige Mitarbeiter emotional an ihr Unternehmen gebunden fühlen. Die Hauptgründe dafür sind 1. der mangelnde Führungsstil und 2. das schlecht ausgestattete Arbeitsumfeld. Hier erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

Interview: Eva-Maria Neuthinger