Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
„Ziel ist, europaweit Vereinheitlichungen zu erreichen“

Kring, Arbeitssicherheitsjournal 2010, 9

Thema: „Ziel ist, europaweit Vereinheitlichungen zu erreichen“
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Dr. Friedhelm Kring
Rubrik: arbeitssicherheit.titelthema
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2010, 9 (Heft 2)

„Ziel ist, europaweit Vereinheitlichungen zu erreichen“

Dr. Friedhelm Kring
Kring: „Ziel ist, europaweit Vereinheitlichungen zu erreichen“ - Arbeitssicherheitsjournal 2010 Heft 2 - 9

Der Autobahnpolizei wird manchmal vorgeworfen, dass je nach Land oder Region mit unterschiedlichen Maßstäben kontrolliert werde. Ralf Lorenz, Themenbeauftragter für Ladungssicherung der Polizeidirektion Hannover, schildert arbeitssicherheit.journal, woran das liegen kann und welche Verbesserungen er anstrebt.

arbeitssicherheit.journal: Herr Lorenz, sind Schlagzeilen wie „Rollende Zeitbomben auf unseren Autobahnen“ aus Sicht der Polizei berechtigt, steht es um die Verkehrs- und Ladungssicherheit von Lkws wirklich so schlecht?

Ralf Lorenz: Diese Frage kann ich nicht allgemein mit Ja oder Nein beantworten. Generell möchte ich sagen, dass die Mehrheit der Fahrzeuge auf der Straße technisch in Ordnung ist. Es gibt aber auf der anderen Seite tatsächlich auch die „rollenden Zeitbomben“. Das gilt sowohl für deutsche Fahrzeuge als auch für ausländische. Mein persönlicher Eindruck ist, dass nach der Ost-Erweiterung die direkt an die Bundesrepublik angrenzenden Staaten schon einen wesentlich besseren Fuhrpark haben als noch vor ein paar Jahren. Je weiter man jedoch in den Osten kommt, umso mehr sinkt dieses Niveau.

Was sind typische oder häufige Mängel der Ladungssicherung und worin sehen Sie die Ursachen dafür?

Häufig ist erkennbar, dass eine falsche Art der Ladungssicherung angewandt wird. Als Alibi-Funktion werden die vorhandenen Zurrpunkte belegt und „mehr geht ja nicht“. Die Ursachen dafür liegen in zwei Bereichen:

  1. Unwissenheit der Fahrer/Verlader, wie die Ladung zu sichern ist, und

  2. von der Disposition auf den Fahrer übertragener Zeitdruck.

Am häufigsten werden die Ladungen durch Niederzurren gesichert, das ist aber oftmals die weniger geeignete Sicherungsart. In letzter Zeit positiv erkennbar ist die immer häufigere Nutzung von Antirutschmatten.

Wer steht nach einem (durch mangelnde Ladungssicherung verursachten) Unfall in der Verantwortung?

Hier ist die gesetzliche Regelung völlig klar: Gemäß § 22 StVO sind Fahrer (auch § 23 StVO) und Verlader in der Pflicht, der Halter hat seine Verantwortung aus dem § 31 StVZO (das geeignete Fahrzeug einsetzen sowie den geeigneten Fahrer). Dies gilt sowohl bei einem Unfall als auch bei festgestellten Mängeln in einer Kontrolle ohne Unfall.

Sind nicht Fahrer wie auch Verlader überfordert, wenn die Vorschriften innerhalb Europas voneinander abweichen und Kontrollen sogar zwischen einzelnen Bundesländern unterschiedlich ablaufen?

Europa ist dabei, etwas zu schaffen, einen „Leitfaden zur optimalen Ladungssicherung im europäischen Güterkraftverkehr“. Das Problem sind die unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Mitgliedsstaaten. Deutschland hat hier die höchsten Anforderungen und es ist schwierig, international auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Zurzeit gilt hier noch das nationale Recht. Die Verlader haben es eigentlich am einfachsten, weil sie überwiegend gleichartige Beladungen durchführen. Wesentlich schwieriger haben es da die Fahrer, die ständig andere Ladungen haben können. Darum ist eine intensive Schulung ganz wichtig. Die Ladungssicherung ist in allen Bundesländern – theoretisch – gleich. Die AG Ladungssicherung der Polizei Niedersachsen hat ein Praxis-Handbuch Ladungssicherung entwickelt. Dies wird ständig fortgeschrieben und steht allen Bundesländern zur Verfügung. Bis auf ganz geringe Nuancen wird die Polizei aller Bundesländer und werden auch die Beamten des BAG nach diesem Handbuch ausgebildet.

Dass es trotzdem unterschiedliche Ansichten in manchen Details gibt, liegt zum einen in der Natur des Menschen und zum anderen oftmals am fehlenden Fachwissen. Nur ein kleiner Teil der Polizeibeamten ist in der Lage, die Ladungssicherung eines Lkws richtig zu beurteilen. Wird z.B. ein Fahrzeug mit gleicher Ladungssicherung mehrfach kontrolliert und erst beim dritten Mal beanstandet, dann muss das für den Fahrer so aussehen, als ob mit zweierlei Maß gemessen würde.

Sehen Sie Möglichkeiten, dass Kontrollbehörden mit Fahrern, Spediteuren, Verladepersonal der Unternehmen usw. in der Prävention zusammenarbeiten?

Ja, und diese Möglichkeiten werden auch genutzt. Es gibt auf vielen Rasthöfen seit Jahren Fernfahrerstammtische. Hier werden Lkw-Fahrer von Polizei und anderen Organisationen über viele Aspekte informiert. Niedersachsen hat einen Ladungssicherungs-Flyer der Polizei Rheinland-Pfalz in verschiedene Sprachen übersetzen lassen, der an Lkw-Fahrer verteilt wird. Auch ich persönlich versuche, mit meinen Möglichkeiten Verbesserungen für alle zu bewirken. Zu Themen wie Flächenpressung auf Antirutschmatten, Transport von überbreiten Blechen und anderen mehr stehe ich in Kontakt mit Herstellern und Händlern von Antirutschmatten, Behörden, dem Fahrzeugbau und vielen Auftraggebern von Ladungssicherungsgutachten. Unser Ziel ist, Vereinheitlichungen zu erreichen, die allen Beteiligten das Leben etwas mehr erleichtern können.

Interview: Dr. Friedhelm Kring