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„Natürlich rentiert sich der Brandschutz“

Friedl, Arbeitssicherheitsjournal 2009, 9

Thema: „Natürlich rentiert sich der Brandschutz“
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Dr. Wolfgang J. Friedl
Rubrik: arbeitssicherheit.titel
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2009, 9 (Heft 3)

„Natürlich rentiert sich der Brandschutz“

Dr. Wolfgang J. Friedl

Die Firma Münz GmbH in Montabaur besteht sein 17 Jahren. Sie stellt mit derzeit 30 Mitarbeitern u.a. Dienstkleidung für Behörden, Kommunen, Sicherheitsunternehmen und Verkehrsbetriebe her und vertreibt diese. Firmengründer Bernhard Münz ist Inhaber und Geschäftsführer und kümmert sich persönlich um sicherheitstechnische Themen, da diese ihm zu wichtig sind, um sie zu delegieren.

arbeitssicherheit.journal: Herr Münz, wie ist bei Ihnen im Unternehmen der Brandschutz aufgestellt?

Bernhard Münz: Ich glaube, sehr gut. Es beginnt mit neuen Gebäuden, in denen wir die beiden gesetzlich geforderten Fluchtwege grundsätzlich baulich realisiert haben. Das war zwar teurer, entspricht aber meiner Vorstellung von Verantwortung. Es geht weiter mit technischen Einrichtungen wie die automatische Brandmeldeanlage, und – meiner Meinung nach ganz wichtig – ist auch die Auswahl und Schulung der Mitarbeiter. Wer mit Brandschutz oder Arbeitssicherheit nichts am Hut hat, passt nicht zu uns. Wer sich unter sozialer Verantwortung etwas vorstellen kann und interessiert, aufgeweckt und rücksichtsvoll ist, gehört dazu. Die Schulungen mache ich größtenteils selbst, damit die Mitarbeiter sehen, welche Bedeutung das hat.

Bei so einem finanziell großen Aufwand – rentiert sich das?

Das fragen Sie als Brandschutzingenieur? Natürlich rentiert sich das. Sollte bei einem Brand ein Mitarbeiter verletzt oder gar getötet werden, ich würde mich, glaube ich, nicht mehr wohl fühlen, auch wenn mich der Staatsanwalt nicht anklagt oder der Richter freisprechen würde. Und wenn „nur“ mein Unternehmen ausbrennen würde, dann wäre das für mich schrecklich, und zwar persönlich wie beruflich. Ob die Versicherung dann zahlt oder nicht, ist nicht der Punkt – ich will aktiv am Markt bestehen bleiben.

Der Rundgang durch Ihr Unternehmen eben hat gezeigt, dass Brandschutz bei Ihnen wirklich gelebt und auch von den Mitarbeitern akzeptiert wird. Gibt es keine Probleme, immer heile Welt?

Natürlich gibt es bei uns auch mal Probleme, doch die sind nach dem Komma. Neue Mitarbeiter werden nicht nur, sondern auch unter sicherheitstechnischen Aspekten ausgewählt, d.h. die Akzeptanz ist voll da. Und die freuen sich, wenn wir mit Feuerlöschern üben und zeigen, wie man sich zu verhalten hat. Da ich als Geschäftsführer ja auch für die schwarzen Zahlen verantwortlich bin, muss ich, wie man bei Ihnen in Bayern so schön sagt, die Kirche im Dorf lassen. Deshalb habe ich neben dem baulichen Brandschutz auch eine Brandmeldeanlage einbauen lassen. Für eine Sprinklerung jedoch ist das Unternehmen flächenmäßig zu klein, so gern ich meine Firma mit dieser Technik schützen würde.

Wie sind Ihre Kontakte mit Behördenvertretern und Versicherungen?

Da sind wir in der Offensive. Ich will sagen, wir halten zur Berufsgenossenschaft, zum Feuerversicherer, zum Kreisbrandmeister, zum Landratsamt und zur Freiwilligen Feuerwehr sehr gute Kontakte. Tauschen uns aus, fragen, holen Tipps ein usw. Im Übrigen haben wir ein umfangreiches Handbuch Betriebssicherheit, das aktiv gelebt wird.

Hatten Sie schon mal einen Brand?

Nicht im Unternehmen, und ich persönlich bin dahinter her, dass das auch so bleibt.

Der Rundgang zeigte, dass Sie mehr Brandschutztüren eingebaut haben, als es behördlicherseits gefordert war. Warum?

Ich kann einen Brand nicht zu 100 % verhindern, auch wenn ich noch so viel investiere. Deshalb will ich, dass – sollte es doch mal brennen – der Brand auf einen möglichst kleinen Bereich beschränkt bleibt. Es ist schließlich ein Unterschied, ob ein Brandschaden eine halbe Million ausmacht oder 5,0 Mio. € oder eben nur 50 000 €.

Was haben Sie in Richtung Brandschutz demnächst geplant?

Es stehen jetzt im Herbst wieder die Unterweisungen an, die jedes Mal einen anderen Schwerpunkt haben. Dann die Übung mit dem Feuerlöscher für vier neue Mitarbeiter, hierfür nehmen wir uns extra viel Zeit. Diese Unterweisung ist auch als wiederkehrende Maßnahme in unserem Qualitätsmanagementhandbuch hinterlegt.

Und für die geplante bauliche Erweiterung werden wir die Messlatte wieder höher legen, als das die Landesbauordnung oder die Vorgaben der Feuerversicherungen tun.

Wo sehen Sie in Ihrem Unternehmen eine besondere Brandgefahr?

Das kann ein doch mal nicht abgeschalteter PC sein, eine Nähmaschine oder ein Kabelschmorbrand. Blitzschlag sehe ich gelassen entgegen, weil ich meine Firma dagegen mit verschiedenen technischen Einrichtungen optimal geschützt habe, obwohl das weder der Gesetzgeber, noch der Feuerversicherer gefordert haben.

Private Elektrogeräte sind …

… natürlich bei uns geregelt, was denken Sie denn! Sie werden überprüft, der Aufstellort wird vorgegeben, so ist es vorgesehen. Doch unsere Kaffeeautomaten produzieren so guten Kaffee, dass wir bis jetzt kein einziges privates Elektrogerät im Unternehmen haben. Mir ist es auch lieber, ich besorge die nötigen Gerätschaften, denn dann wird nicht auf den Preis, sondern auf die Qualität geschaut.

Interview: Dr. Wolfgang J. Friedl