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Erfolgsfaktor Büroarbeit

Meier, Arbeitssicherheitsjournal 2009, 8

Thema: Erfolgsfaktor Büroarbeit
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Olaf Meier
Rubrik: arbeitssicherheit.titel
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2009, 8 - 9 (Heft 2)

Erfolgsfaktor Büroarbeit

Olaf Meier
Meier: Erfolgsfaktor Büroarbeit - Arbeitssicherheitsjournal 2009 Heft 2 - 8 >>

Rund die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung verdient ihr Geld mit Bürotätigkeiten. Die Sonderschau „Erfolgsfaktor Büro“ zeigt auf der A+A Lösungen für gesundes Arbeiten, die sich leicht in vorhandenen Büros realisieren lassen.

„Leider wird das Thema Büroarbeit in der Praxis von Sicherheitsingenieuren und Sicherheitsfachkräften besonders in kleinen und mittelständischen Unternehmen sehr oberflächlich behandelt. Es passieren ja wenig Unfälle im Büro“, so die Erfahrung von Karl-Heinz Lauble. Lauble ist selbst Fachkraft für Arbeitssicherheit. Mit seiner Unternehmensberatung Lauble-Consult unterstützt er Firmen bei der Gestaltung ergonomischer Büros und steht im Verband Deutscher Sicherheitsingenieure (VDSI) als Ansprechpartner des Arbeitskreises Büroarbeit zur Verfügung.

Doch die Notwendigkeit, dem Thema Büroarbeit mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wächst: Inzwischen arbeiten rund 17 Mio. Menschen in Deutschland im Büro. Und auch wenn die Gefahren weniger dramatisch sind als in der Produktion, ist das Büro kein belastungsfreier Raum: Lärm, visuelle Störungen, Beleuchtungs- und Klimaprobleme führen zu einer mitunter erheblichen Belastung des Menschen. Die Folge: Blutdruck und Herzfrequenz steigen, es mangelt an Konzentration, die Leistungsfähigkeit sinkt. In der Summe können derartige Störungen 25 bis 30 % Leistungsverlust verursachen.

Thema Büro wird unterbewertet

Es entsteht Stress, der bis zu psychischen Erkrankungen führen kann. Und tatsächlich nimmt die vorzeitige Verrentung wegen psychischer Erkrankungen zu, die „klassischer“ körperlicher Probleme dagegen nimmt ab. Bei Frauen sind sie bereits die häufigste Ausfallursache, bei Männern stehen sie auf Rang zwei. Schon aus wirtschaftlichen Gründen lohnt es sich also für alle Unternehmen – auch im produzierenden Gewerbe –, die Büroarbeit unter Aspekten des Arbeitsschutzes zu optimieren.

Das Thema Büro ist immer noch unterbewertet, meint auch Manfred Gerz vom Institut für Wissensarbeit in Bad Nauheim: „Einerseits wird die Bedeutung von Büroarbeit allgemein zu gering eingeschätzt. Andererseits wissen die meisten über Büroarbeit im Vergleich zu Produktionsarbeit relativ wenig. Dieses Informationsdefizit bezieht sich auf Belastungen und Risiken, aber auch auf Fragen nach effizientem Arbeiten, Motivations- und Leistungsvoraussetzungen.“ Genau deshalb organisiert Manfred Gerz die Sonderschau „Erfolgsfaktor Büro“, die in diesem Jahr bereits zum dritten Mal auf der Messe A+A in Düsseldorf Station macht. Ideeller Träger der Ausstellung ist das Deutsche Netzwerk Büro e.V.

Sonderschau mit übergreifenden Lösungen

Ziel der Ausstellung ist es, Gestaltungsbeispiele für eine gesündere, produktivere und damit auch wettbewerbsfähigere Büroarbeit zu präsentieren. Die voraussichtlich zehn bis zwölf Themenschwerpunkte orientieren sich an typischen Problemen der Arbeitsgestaltung und vor allem des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Büro. Gezeigt werden zum Beispiel besonders ergonomische Produkte, speziell gestaltete Büroarbeitsplätze und Lösungsmöglichkeiten im Bereich Klima, Licht und Akustik.

Gerade die „weichen Faktoren“ sind heute ausschlaggebend für eine gute Büroarbeit. Gerz erläutert das Konzept der Ausstellung: „Die Sonderschau stellt das Bürothema und das zugrunde liegende Problem dar, zeigt aber auch exemplarisch Lösungen für dieses Problem auf. Das unterscheidet die Erfolgsfaktor Büro von vielen anderen Sonderschauen, die den Besucher nur mit einem Problem konfrontieren.“

Spannend ist es dabei zu sehen, dass Aspekte wie Klima und Akustik durchaus nicht als von der Architektur gegeben hingenommen werden müssen. Karl-Heinz Lauble: „Gerade die Akustik im Büro ist derzeit ein großes Thema, denn durch die Prozessoptimierung in den Unternehmen entstehen immer mehr Team-Räume mit zehn bis 30 Arbeitsplätzen. Durch gestalterische Maßnahmen lassen sich akustische, aber auch visuelle Störeinflüsse und damit wesentliche Stressfaktoren erheblich minimieren.“

Lärm reduzieren

Dabei ist es laut bueroforum, des Kommunikationsportals des Verbandes Büro,- Sitz- und Objektmöbel e.V. (bso), besonders wichtig, die Direktschall-Übertragung zu unterbinden. Dies kann zum Beispiel durch schallabsorbierende Raumgliederungssysteme erfolgen, die zwischen der Schallquelle und dem Mitarbeiter aufgestellt werden. Kriterium für die Maßnahmen ist dabei der arbeitsschutzrechtlich zulässige Grenzwert. Für Räume, in denen überwiegend geistige Tätigkeiten ausgeübt werden, gilt ein oberer Grenzwert von maximal 55 dB (A). Die Richtlinie

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VDI 2569 empfiehlt für den Hintergrundgeräuschpegel eine Bandbreite von 35 bis 45 dB (A).

Eine weitere Maßnahme, die auch in vorhandenen Büros umgesetzt werden kann, ist die Umwandlung möglichst vieler schallreflektierender Flächen in absorbierende Flächen und auch die freien Oberflächen der Möbel und der Raumgliederungssysteme zur Schallabsorption zu nutzen. Raumgliederungssysteme sollten daher eine hohe schallabsorbierende Qualität haben. Mit ihnen lassen sich Schallquellen flexibel abschotten und Schallübertragungswege unterbrechen.

Klima verbessern

Neben der Akustik gehört das Raumklima zu den wichtigsten Rahmenbedingungen für das Wohlbefinden im Büro. Auch dies ist nachträglich beeinflussbar, wenn auch schwieriger als die Akustik. „Der Sicherheitsingenieur sollte zumindest die Minimalanforderungen der Schutzziele überprüfen“, so Lauble. Schon durch die Reduzierung der Sonneneinwirkung z.B. durch Folien oder Jalousien kann das Klima im Büro verbessert werden.

Aber auch die richtige Raumtemperatur, die Luftfeuchtigkeit und die Luftqualität können beeinflusst werden. Für Büroräume wird eine Raumtemperatur zwischen 21C und 22C empfohlen. Es soll eine relative Luftfeuchtigkeit angestrebt werden, die bei einer Raumtemperatur von 20C zwischen 40 und 65 % liegt. Werte über 50 % reduzieren bzw. vermeiden elektrostatische Aufladungen. Insbesondere während der Heizungsperiode kann die Luftfeuchtigkeit unter 30 % sinken. Die Folge ist eine Austrocknung der Atemwege und der Haut sowie Brennen der Augen. Gleichzeitig werden die Abwehrkräfte des Körpers reduziert. Erfolg versprechende Gegenmaßnahmen sind gezielte Lüftung, Pflanzen und spezielle Luftbefeuchter. Auf der Sonderschau „Erfolgsfaktor Büro“ ist eine solche Lösung zu sehen, wie Manfred Gerz erläutert: „Das Besondere an diesem Beitrag ist, dass man auf dem Stand die Wirkung direkt erleben kann, da der Messestand selbst befeuchtet wird. Außerdem ist es gelungen, gemeinsam mit unserem Ausstellungspartner eine Themenbroschüre zu erstellen.“

Nichtraucher schützen

Auch Zigarettenrauch belastet die Luftqualität. Die Arbeitgeber müssen laut der Arbeitsstättenverordnung Nichtraucher mit den „erforderlichen Maßnahmen“ wirksam vor der Gefahr durch Tabakrauch schützen. Soweit erforderlich, muss der Arbeitgeber für einzelne Bereiche oder den ganzen Betrieb ein Rauchverbot erlassen. Erforderlich ist ein Verbot etwa, wenn Raucher und Nichtraucher nicht räumlich getrennt werden können, etwa in Werkshallen oder Großraumbüros. Damit ist das Konfliktpotenzial zwischen rauchenden und nichtrauchenden Mitarbeitern groß. Auf der Sonderschau „Erfolgsfaktor Büro“ werden daher auch Lösungen zum Nichtraucherschutz gezeigt.

Schon bei der Büro-Gestaltung mitwirken

Doch nicht nur nachträglich sollte der Sicherheitsingenieur die Arbeitsbedingungen im Büro verbessern, wie Karl-Heinz Lauble betont: „Die Arbeitsmedizin bzw. Arbeitssicherheit sollte sich schon in der Planungs- und Angebotsphase um eine gesund erhaltende Einrichtung bemühen. Auch im Arbeitssicherheits-Gesetz wird sehr deutlich auf eine Mitwirkung der Fachkraft für Arbeitssicherheit bei der Gestaltung der Arbeitsplätze hingewiesen.“ Noch ein Grund mehr also, die Sonderschau „Erfolgsfaktor Büro“ auf der A+A in Düsseldorf zu besuchen.