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Manager für Sicherheit und Gesundheit

Meier, Arbeitssicherheitsjournal 2009, 21

Thema: Manager für Sicherheit und Gesundheit
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Olaf Meier
Rubrik: arbeitssicherheit.training
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2009, 21 - 22 (Heft 1)

Manager für Sicherheit und Gesundheit

Olaf Meier
Meier: Manager für Sicherheit und Gesundheit - Arbeitssicherheitsjournal 2009 Heft 1 - 21 >>

Künftige Sicherheitsingenieure müssen nicht nur die einschlägigen Vorschriften des Arbeitsschutzes beherrschen, sondern das gesamte Thema Arbeitssicherheit im Unternehmen managen. Entsprechend vielfältig sind die Fächer der Aus- und Weiterbildungen – von der Sicherheitstechnik über Kommunikation bis hin zu Abwehrstrategien gegen Terrorismus.

Kontinuierliche Weiterbildung ist im Beruf des Sicherheitsingenieurs von enormer Bedeutung und sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Foto: TÜV Nord

Durch Arbeitsunfähigkeit wurden nach Schätzungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) im Jahr 2007 Produktionsausfälle anhand der Lohnkosten von etwa 40 Mrd. € verursacht. Eine Schraube, an der es sich neben den humanen Gründen auch wirtschaftlich zu drehen lohnt. Kein Wunder also, dass der Bedarf nach Experten in Sachen Arbeitssicherheit groß ist – und in der Zukunft wohl noch steigen wird.

Macher und Antreiber

Die Position des Sicherheitsingenieurs hat sich entsprechend in den letzten Jahren zur zentralen Schaltstelle rund um Gesundheit und Sicherheit im Betrieb entwickelt. „Zwar muss jeder Betrieb laut Arbeitssicherheitsgesetz eine Fachkraft für Arbeitssicherheit bestellen“, so Dr. Arno Weber, als Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher Sicherheitsingenieure verantwortlich für das Ressort Aus- und Weiterbildung, „aber der Begriff Fachkraft spiegelt nicht mehr das heutige zeitgemäße Bild der Tätigkeit wider. Manager für Sicherheit und Gesundheit trifft es besser, da diese Aufgabe tatsächlich viel mit managen zu tun hat.“

Während der Sicherheitsingenieur früher vor allem die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben überwacht hat, ist er heute vor allem ein Macher und Antreiber, wie Weber verdeutlicht: „Er verteilt keine Sicherheitsschuhe, sondern sorgt dafür, dass die Führungskräfte mit den richtigen Informationen versorgt werden, um die richtigen Sicherheitsschuhe zu bestellen.“ Die Aufgabe besteht darüber hinaus auch darin, Prozesse zu optimieren und für Planungssicherheit und damit verbesserte Rechtssicherheit zu sorgen.

Gute Perspektiven

„Die Attraktivität des Berufsbildes Sicherheitsingenieur liegt vor allem in der sehr abwechslungsreichen Tätigkeit“, so Uwe Wiemann aus dem Produktmanagement der BAD GmbH. Die BAD Gruppe betreut mit mehr als 2.200 Experten in Deutschland und Europa 250.000 Betriebe mit 4 Mio. Beschäftigten in den unterschiedlichsten Bereichen der Prävention (Arbeitsschutz, Gesundheit, Sicherheit, Personal).

Auch die beruflichen Perspektiven sind gut, wie Wiemann, selbst Ingenieur, weiß: „Der Arbeits- und Gesundheitsschutz wird in Zukunft weiter eine wesentliche Rolle in den Unternehmen einnehmen, da der Mensch zukünftig ein noch wichtigeres Kapital eines jeden Betriebes sein wird. Allein durch neue Themen und Vorgaben, die durch die Europäische Union und die Globalisierung auf die Unternehmen zukommen, wird die Geschäftsführung nicht ohne hochqualifizierte Berater auskommen können.“

Mit dem Studium zum Sicherheitsingenieur

Die Ausbildung zum Sicherheitsingenieur kann sich also lohnen. Doch wie erhält man diese Qualifikation? Grundsätzlich gibt es zwei „klassische“ Wege: Einige Universitäten und Fachhochschulen bieten einen eigenen Studiengang „Sicherheitsingenieurwesen“ an, wie z.B. die Universität Wuppertal. In sechs Semestern kann man hier den Abschluss als Bachelor of Science im Bereich Safety Engineering machen. Neben den klassischen Ingenieursfächern erwerben die Studenten ein breites sicherheitstechnisches Fachwissen in vielen Facetten des Arbeitsschutzes, Brandschutzes, Umweltschutzes und Qualitätswesens. In den darauf (oder auf einem anderen Hochschulstudium wie Maschinenbau) aufbauenden Master- Studiengängen kann je nach Interessenschwerpunkt ein viersemestriges Vertiefungsstudium angehängt werden.

Auch andere Hochschulen bieten vergleichbare Studiengänge an, wobei teilweise die Schwerpunkte differieren. So sollen Absolventen des Bachelor-Studiengangs „Security and Safety Engineering“ der Hochschule Furtwangen Industriespionen und Saboteuren Paroli bieten, aber auch Mitarbeiter vor Arbeitsunfällen schüt-

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zen können. Dementsprechend gehören hier auch Fächer wie Kriminalistik, IT-Sicherheit oder Abwehrstrategien zum Terrorismus zum Lehrplan. „Der Bedarf der Wirtschaft an solchen Sicherheitsexperten ist groß. Schließlich müssen sie derzeit pro Jahr knapp 7 Mrd. € an Schäden verkraften, die Wirtschaftkriminelle verursachen“, so Professor Dr. Sauerburger, der Dekan des Studiengangs.

Einen stärkeren betriebswirtschaftlichen Aspekt verfolgt der Studiengang „Risk and Safety Management“ der Fachhochschule Heidelberg. Der weiterbildende Master-Studiengang setzt Schwerpunkte in den Bereichen Risikomanagement, Arbeitsschutzmanagement, Kommunikation, Unternehmensstrategie und Organisation sowie Arbeitsschutzrecht.

Eine internationale Ausrichtung bietet das Studium an der Neisse-Universität: Hier haben sich die Technische Universität Wroclaw (Polen), die Technische Universität Liberec (Tschechische Republik) und die Hochschule Zittau/ Görlitz zusammengetan und einen Master- Studiengang „Einvironmental Health & Safety Risk Management“ ins Leben gerufen. Den Studenten wird ein umfangreiches Wissen an naturwissenschaftlichen Grundlagen, Risikomanagement, Natur- und Ingenieurwissenschaften, Umweltrecht sowie den Sprachen der drei Länder vermittelt. Gelehrt und gelernt wird auf Englisch. Bewerber für den neuen Masterstudiengang sollten mindestens über einen Bachelor-Abschluss verfügen. Besonders Studenten der Fachbereiche Jura, Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften sowie auch Ökologie und Umweltwissenschaften will die Neisse-Universität mit dem neuen Angebot ansprechen.

Berufsbegleitend Know-how erlangen

Neben diesen Vollzeit-Studiengängen besteht als zweite Möglichkeit zur Qualifikation zum Sicherheitsingenieur auch die Möglichkeit, berufsbegleitend das entsprechende sicherheitstechnische Know-how zu erlangen. Voraussetzung ist hier meist ein abgeschlossenes Ingenieurstudium sowie erste Berufserfahrung. Arno Weber vom VDSI: „Schulungen zur sicherheitstechnischen Fachkunde führen jeder Unfallversicherungsträger, die BGAG in Dresden und verschiedene freie Träger durch.“ Eine Liste der staatlich anerkannten Ausbildungsträger findet man auf der Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (www.baua.de).

„Daneben ist natürlich die kontinuierliche Weiterbildung – Stichwort lebenslanges Lernen – in unserem Beruf von enormer Bedeutung und sogar gesetzlich vorgeschrieben. Dies wird z.B. bei unseren Bezirksgruppenveranstaltungen oder im Rahmen der regionalen FASI-Veranstaltungen ermöglicht“, ergänzt Weber. Als Richtwert für Art und zeitlichen Umfang der Weiterbildung empfiehlt Weber die Anwendung des VDSI-Punktesystems: Seminaranbieter können für ihre Veranstaltungen beim VDSI Punkte beantragen. Diese Punkte werden den Teilnehmern gutgeschrieben; wer im Laufe von zwölf Monaten sechs VDSI-Punkte sammelt, erhält einen Weiterbildungsnachweis.

Soft Skills nicht vergessen

So wird nicht nur dem Arbeitssicherheitsgesetz Genüge getan, sondern der Nachweis bietet auch einen wichtigen Vorteil bei der Stellensuche, der Kundengewinnung oder für das Qualitätsmanagement. Neben den klassischen Aufgaben wie z.B. Gefahrstoffverordnung oder Maschinenrichtlinie, entwickelt sich der Sicherheitsingenieur auch immer mehr zu einem Gesundheitsmanager und übernimmt auch in verwandten Themenfeldern wie Umweltschutz, Brand- oder Explosionsschutz die tragende Vermittlerrolle.

Doch neben diesen „technischen“ Aspekten sollten bei der Aus- und Weiterbildung auch die Soft Skills nicht vernachlässigt werden, wie Uwe Wiemann aus seiner beruflichen Praxis weiß: „Da ein Sicherheitsingenieur aufgrund seiner Stellung im Unternehmen eine wesentliche Stütze der Unternehmens- bzw. Geschäftsführung im Themenfeld Arbeits- und Gesundheitsschutz ist, müssen neben der fachlichen Qualifikation auch die sogenannten weichen Faktoren stimmen, also z.B. Durchsetzungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit oder Kritikfähigkeit.“ Denn der Sicherheitsingenieur muss sowohl den Kontakt zu möglichst allen Mitarbeitern halten, als auch den Unternehmer von den vorgeschlagenen Maßnahmen überzeugen können, also auch die Management-Sprache beherrschen. „Leider beobachten wir aber immer wieder, dass der Sicherheitsingenieur vom Arbeitgeber ausgebremst wird“, weiß Arno Weber zu berichten. „Viele Arbeitgeber haben das volle Potenzial, das ihnen durch den Sicherheitsingenieur zur Verfügung steht, nur unzureichend erkannt.“

Info-Box

Wer darf sich Sicherheitsingenieur nennen?

Um sich Sicherheitsingenieur zu nennen, muss man laut Arbeitssicherheitsgesetz „(...) berechtigt sein, die Berufsbezeichnung Ingenieur zu führen und über die zur Erfüllung der ihm übertragenen Aufgaben erforderliche sicherheitstechnische Fachkunde verfügen“. (§ 7 Abs. 1 ASiG). Ein Sicherheitsingenieur muss also zum einen ein Ingenieursstudium erfolgreich abgeschlossen, zum anderen die notwendige sicherheitstechnische Fachkunde über eine spezielle Ausbildung erworben haben, die bei einem staatlichen oder berufsgenossenschaftlichen Ausbildungsträger absolviert werden kann.

Zusätzliche Infos

Universitäten mit Studiengängen zum Sicherheitsingenieur (Auswahl)

www.uni-wuppertal.de | Bergische Universität Wuppertal: Bachelor- und Master-Studiengang Sicherheitstechnik

www.tfh-bochum.de | Technische Fachhochschule Georg Agricola: weiterbildender Master-Studiengang „Betriebssicherheitsmanagement“

www.hs-furtwangen.de | Hochschule Furtwangen: Bachelorstudiengang „Security & Safety Engineering“

www.fh-heidelberg.de | SRH Hochschule Heidelberg: weiterbildender Masterstudiengang „Risk and Safety Management“

www.neisse-uni.org | Neisse University: weiterbildender Masterstudiengang „Environmental Health & Safety Risk Management“