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Richtige Schutzkleidung für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz ...

Rein, Arbeitssicherheitsjournal 2009, 10

Thema: Richtige Schutzkleidung für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz (Teil 1 – Schweißen, Hitze)
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Kirsten Rein
Rubrik: arbeitssicherheit.technik
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2009, 10 - 11 (Heft 1)

Richtige Schutzkleidung für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz (Teil 1 – Schweißen, Hitze)

Kirsten Rein
Rein: Richtige Schutzkleidung für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz (Teil 1 – Schweißen, Hitze) - Arbeitssicherheitsjournal 2009 Heft 1 - 10 >>

Häufig ist es nicht möglich, einen Arbeitsplatz so einzurichten, dass für Mitarbeiter keine Gefahr besteht. In diesen Fällen verlangt der Gesetzgeber entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheitslage durch Persönliche Schutzausrüstung, kurz PSA. In dieser und den beiden kommenden Ausgaben von arbeitssicherheit.journal geben wir Ihnen einen Überblick über verschiedene Bereiche von PSA-Schutzbekleidung.

Gerüstet für Wind und Wetter: Die Fraport AG stattet ihre Mitarbeiter am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen mit Warnschutz-Jacken aus Gore-Tex aus. Das Material schützt gegen Regen, verursacht aber dennoch bei schweißtreibenden Arbeiten keinen Hitzestau

Laut Gesetz muss jeder Arbeitgeber in einer Analyse herausfinden, welche Gefährdungen am Arbeitsplatz vorliegen. Das reicht vom losen Stück Teppich bis hin zu Feuerglut, Eiseskälte, Strahlungen und chemischen Substanzen. Der Arbeitgeber muss das Unfall- oder Gesundheitsrisiko so weit reduzieren, dass es den geltenden Gesetzen oder Verordnungen entspricht. Bezüglich der erforderlichen Maßnahmen wird Folgendes empfohlen:

  1. 1.

    Arbeitsverfahren sind so zu gestalten, dass keine Gefährdungen vorhanden sind.

  2. 2.

    Die Gefährdungen sind auszuschalten oder zu mindern durch Anwendung von Schutzeinrichtungen.

  3. 3.

    Das Gesundheitsrisiko ist durch Herabsetzung von Intensität oder Dauer der Exposition mittels organisatorischer Maßnahmen zu minimieren.

  4. 4.

    Persönliche Schutzausrüstung ist zu benutzen.

Zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) gehören neben der Schutzkleidung auch Atemschutz, Augenschutz, Gehörschutz, Kopfschutz und Schutz gegen Absturz.

Der Weg zur geeigneten persönlichen Schutzausrüstung

Um zu ermitteln, welche Schutzkleidung geeignet ist, muss der Experte für Arbeitssicherheit nicht nur die Gefährdung genau analysieren, sondern noch weitere Fragen klären: Wie lange wird beispielsweise die PSA ununterbrochen getragen (z.B. bei Postzustellern) oder wie hoch ist der Grad der körperlichen Aktivität bei der Arbeit (z.B. bei Forstarbeitern oder Frachtarbeitern auf dem Flughafen)? Außerdem muss er klären, ob die Mitarbeiter neben der Schutzkleidung auch noch andere PSATeile tragen (z.B. beim Schweißen im Schutzanzug mit Schutzbrille, Schuhen etc.).

Die Hersteller und Konfektionäre von PSA arbeiten in der Regel sehr eng mit Vertretern der einzelnen Branchen zusammen und haben spezielle Kleidung für Industrie, Entsorgungsunternehmen, Baugewerbe (hier beispielsweise für Zimmerleute, Glaser), Polizei, Feuerwehr und viele andere Berufsfelder entwickelt. Sie verfügen über umfassende Informationen zu den Leistungseigenschaften der PSA sowie ihrer Kompatibilität mit den relevanten europäischen Standards und der Vereinbarkeit mit anderer PSA.

Wer die PSA für seine Mitarbeiter nicht selbst anschaffen möchte, kann sich an ein Mietwäsche- oder Leasing-Unternehmen wie Bardusch in Ettlingen und cws boco in Dreieich wenden. Die PSA muss nämlich nicht nur vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden, der Unternehmer ist für den gesamten logistischen Part zuständig. Weil die Wirksamkeit von PSA durch unsachgemäße Reinigung oder unsachgemäßes Tragen sehr leicht beeinträchtigt wird, muss sie sofort repariert oder ersetzt werden, wenn sie beschädigt ist. Der Unternehmer muss dafür sorgen, dass die PSA richtig aufbewahrt und ordnungsgemäß instand gehalten wird. Das alles übernehmen heute auch Leasingunternehmen.

In der Praxis haben heute viele Unternehmen erkannt, wie wichtig die Gesundheit der Mitarbeiter ist. Engagierte Fachkräfte für Arbeitssicherheit sorgen dafür, dass die Angestellten mit hochwertiger Funktionsbekleidung ausgestattet sind, die oft gegen mehrere Gefährdungen Schutz bietet. Zu spezifischen Gefährdungen sind Anforderungen und entsprechende Prüfverfahren in Europäischen Normen festgelegt. Die RWE Westfalen Weser Ems beispielsweise kleidet ihre Monteure mit Jacken, die neben dem Störlichtbogenschutz (DIN EN 50354) auch über Warn- und Wetterschutz (DIN EN 471 und DIN EN 343) verfügen und dem Corporate Design des Unternehmens entsprechen. Die Schweizer Bundesbahn SBB hat ihre Mitarbeiter im Energiebereich mit einem Bekleidungssystem ausgestattet, das Störlichtbogenschutz und Wetterschutz vereint. Die Österreichische Bundesbahn ÖBB stellt ihren Mitarbeitern im Gleisbereich PSA-Bekleidung zur Verfügung, deren Warn- und Wetterschutz auch nach zahlreichen Industriewäschen bei 60 C uneingeschränkt erhalten bleibt.

Multinormkleidung – speziell für einzelne Branchen

Moderne Schutzkleidung zeichnet sich dadurch aus, dass sie den Träger nicht nur schützt, sondern auch angenehm zu tragen ist. Sie ist leichter geworden, Materialien und Schnitte wurden optimiert. Im Fokus steht die kontinuierliche Verbesserung des Tragekomforts bei den unterschiedlichen Anforderungen und Klimabedingungen eines Arbeitsplatzes. Je höher der Tragekomfort, desto größer ist auch die Trageakzeptanz bei den Mitarbeitern. In der Praxis kommen immer mehr Bekleidungssysteme zum Einsatz, die entsprechend den äußeren Umständen und der Witterung variiert werden können.

Die Fraport AG, das Airport-Business-Unternehmen am Frankfurter Flughafen, stellt ihren Mitarbeitern im Frachtbereich zum Beispiel eine Wetterschutz- und eine Windstopper-Jacke aus Gore-Tex zur Verfügung, damit sie auf dem kalten Flughafenvorfeld einerseits nicht frieren oder nass werden, andererseits beim schweißtreibenden Be- und Entladen eines Flugzeuges kein Hitzestau entsteht. Bei beiden Jacken ist der nötige Warnschutz (DIN EN 471) gewährleistet.

Die Anschaffung von hochwertiger Schutzkleidung ist anfänglich mit deutlichen Kosten verbunden. Aber sie ist eine Investition, die sich für beide Seiten lohnt. Die Angestellten arbeiten sicherer, motivierter und produktiver. Neben der Wertschätzung, die Mitarbeiter dadurch erfahren, dass den Verantwortlichen ihre Sicherheit am Herzen liegt, rentieren sich anfängliche Ausgaben bald durch einen wesentlich niedrigeren Krankenstand.

Für den Arbeitgeber reduziert sich mit der Erfüllung der rechtlichen Auflagen die Wahrscheinlichkeit von Strafen oder versicherungsrechtlichen Problemen. Außerdem zeigt ein Unternehmen so seinen Kunden und Wettbewerbern, dass es seinen Mitarbeitern gegenüber verantwortlich handelt.

1. DIN EN 340: 2003 Schutzkleidung: Allgemeine Anforderungen

Diese Norm spezifiziert die allgemeinen Anforderungen an Ergonomie, Alterung, Größenbezeichnung, Kennzeichnung und Informationen, die der Hersteller der PSA liefern muss. Sie kann nicht eigenständig zugrunde gelegt werden, sondern nur in Zusammenhang mit anderen Normen für Schutzkleidung, beispielsweise in der DIN EN 471, der Europäischen Norm für Warnkleidung.

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2. DIN EN ISO 11611: Schutzkleidung für Schweißen und verwandte Verfahren

In dieser Norm werden die allgemeinen Leistungsanforderungen und Prüfverfahren für die Schutzkleidung von Personen festgelegt, die schweißen oder mit verwandten Verfahren arbeiten. Schutzkleidung nach dieser Norm schützt den Träger gegen kleine Metallspritzer und gegen kurzen Kontakt mit Flammen. Darüber hinaus bietet sie Schutz gegen thermische Strahlung und gegen Ultraviolettstrahlen aus dem Lichtbogen und bietet in begrenztem Maße elektrische Isolation. Wesentliche Teilprüfungen sind die Prüfungen nach DIN EN ISO 15025 (Flammausbreitung), die ISO 9150 (Beständigkeit gegen kleine Spritzer geschmolzener Metalle) und die DIN EN ISO 6942 (Wärmedurchgang bei thermischer Strahlung). Außerdem werden sicherheitsrelevante Ausführungsmerkmale der Kleidung wie die Anordnung, Ausführung und Abdeckung der Taschen vorgeschrieben. Laut PSA-Verordnung wird Schutzkleidung nach EN DIN ISO 11611 in Klasse II eingeteilt (Details zu PSA-Klassen siehe Kasten auf S. 10).

3. DIN EN ISO 14116: Schutz gegen Hitze und Flammen – Materialien, Materialkombinationen und Kleidung mit begrenzter Flammenausbreitung

Eine Schutzbekleidung, die aus einem Material gemäß DIN EN ISO 14116 besteht, schützt den Träger nicht unmittelbar vor Einwirkung von Flammen oder Hitzestrahlung. Sie schützt ihn lediglich vor dem Risiko des großflächigen Brandes seiner Kleidung, falls diese mit kleinen Zündquellen (Kerze, Bunsenbrenner) in Kontakt kommt. Bei der DIN EN ISO 14116 handelt es sich ausschließlich um ein Klassifizierungsschema, das zur Beurteilung und Einstufung des Brennverhaltens von textilen Flächengebilden zur Anwendung kommt. Nach DIN EN ISO 14116 gibt es drei Leistungsstufen für die begrenzte Flammenausbreitung bei Materialien, wobei 3 die höchste Stufe ist:

Index 1:

Material darf nicht großflächig abbrennen oder schmelzen und auch nicht brennend abtropfen.

Index 2:

wie Index 1 – zusätzlich keine Lochbildung im geprüften Material.

Index 3:

(höchste Stufe) wie Index 2 zusätzlich darf das geprüfte Material nicht länger als 2 Sekunden nach Entfernen der Zündquelle nachbrennen.

Die Kennzeichnung erfolgt nach DIN EN ISO 14116 unter anderem mit der Angabe des Index der begrenzten Flammenausbreitung sowie der Anzahl und der Temperaturangabe der Wäschen bzw. Chemischreinigungen, nach der die Materialprüfung durchgeführt wurde.

4. DIN EN ISO 11612: Schutzkleidung für hitzeexponierte Arbeiter (ersetzt seit 2008 die DIN EN 531)

Schutzkleidung, die dieser Norm entspricht, ist für den Schutz der Arbeiter gegen kurzzeitigen Kontakt mit Flammen und wenigstens eine Art Hitze vorgesehen. Ein Prüfkriterium zur Einstufung als Schutzkleidung für hitzeexponierte Arbeiter ist die begrenzte Flammenausbreitung nach DIN EN ISO 15025, analog dem Prüfkriterium der Schweißer-Schutzkleidung (Code-Buchstabe A). Die Art der Hitze wird durch die Codes (B bis E) definiert. Sie kann konvektiv (B), strahlend (C) oder durch größere Aluminium- (D) oder Eisen- (E) Spritzer verursacht auftreten, oder als eine Kombination dieser Formen.

Neben den Code-Buchstaben werden bei dieser Schutzkleidung die Leistungsstufen 1 bis max. 4 angegeben. Je höher die Leistungsstufen, desto höher ist die jeweilige Schutzwirkung. Erreicht wird die Schutzwirkung durch ein flammhemmendes Gewebe in Verbindung mit bestimmten Verarbeitungsmerkmalen, die durch die DIN EN ISO 11612 definiert werden.

Bemerkenswert ist, dass in dieser Norm eine optionale Prüfung enthalten ist, bei der eine sensorbestückte Prüfpuppe mit der Schutzkleidung bekleidet und beflammt wird. Eine Vielzahl von Sensoren registriert die Wärmebelastung unter der Schutzkleidung im jeweiligen Körperbereich. Die Prüfung dient der Vorhersage von Brandverletzungen.

Recht

CE-Zeichen und PSA-Klassen

Entsprechend der 8. Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (Verordnung über das Inverkehrbringen von persönlichen Schutzausrüstungen) müssen Schutzausrüstungen mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet sein. Es bestätigt, dass das Produkt den Anforderungen der einschlägigen Richtlinien genügt. Schutzkleidung wird gemäß der PSA-Richtlinie in drei Kategorien eingeteilt:

Klasse I: Zur Kategorie 1 gehört der Schutz gegen geringfügige Risiken wie Witterungsbedingungen, die nicht außergewöhnlich sind, der Schutz zur Handhabung heißer Teile bis max. 50C und der Schutz gegen oberflächliche mechanische Einwirkung.

Klasse II: PSA der Kategorie II sind alle PSA, welche nicht in Kategorie I oder III fallen.

Klasse III: PSA der Kategorie III sind alle komplexen PSA, die gegen tödliche Gefahren oder irreversible Gesundheitsschäden schützen sollen, bei denen der Hersteller davon ausgeht, dass der Verwender die unmittelbare Wirkung nicht rechtzeitig erkennen kann. Dazu gehören beispielsweise der zeitlich begrenzte Schutz gegen Chemikalien, vollständiger Witterungsschutz, der Schutz gegen vergleichbare Auswirkungen wie Luft unter -50C, der Schutz gegen vergleichbare Auswirkungen wie Luft von über 100 C mit oder ohne Infrarotstrahlung, Flammen und Schmelzmetallspritzer sowie Schutz gegen Elektrizität. (kr)