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„Vorausschauende Maßnahmen verhinderten eine Explosion“

Dyrba, Arbeitssicherheitsjournal 2009, 8

Thema: „Vorausschauende Maßnahmen verhinderten eine Explosion“
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Dr. Berthold Dyrba
Rubrik: arbeitssicherheit.titel
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2009, 8 (Heft 1)

„Vorausschauende Maßnahmen verhinderten eine Explosion“

Dr. Berthold Dyrba
Dyrba: „Vorausschauende Maßnahmen verhinderten eine Explosion“ - Arbeitssicherheitsjournal 2009 Heft 1 - 8

Wirksamer Explosionsschutz kann tatsächlich Katastrophen verhindern. Im Gespräch mit arbeitssicherheit.journal berichtet Jörn Heumesser, Sicherheitsingenieur der Chemischen Fabrik Tübingen R. Breitlich GmbH, wie sich in seinem Unternehmen vorausschauende Maßnahmen an der Mahlanlage im Ernstfall bewährt haben.

arbeitssicherheit.journal: Welche Bedeutung besitzt der Explosionsschutz in Ihrem Unternehmen?

Heumesser: In unserem weltweit agierenden Unternehmen werden mehr als 5.000 Produkte für die Bereiche Textilindustrie, Bauchemie und Performance Chemicals mit über 1.600 Mitarbeitern hergestellt. Nicht wenige Ersatzstoffe sind brennbar. Sie können bei Verteilung in Luft explosionsfähige Atmosphäre bilden und erfordern geeignete Explosionsschutzmaßnahmen. In diesem Zusammenhang sind zum Beispiel auch Mahlprozesse organischer Stoffe zu nennen. Unser Mahlgut hat eine Kerngröße weit unter 500 μm und ist somit staubexplosionsfähig, sodass auch hier Explosionsschutzmaßnahmen zwingend erforderlich sind.

Wie gehen Sie bei der Festlegung geeigneter Maßnahmen des Explosionsschutzes vor?

Diese Frage möchte ich anhand eines Beispiels erläutern. Aufgrund des Umbaus einer Misch-, Sieb- und Abfülllinie für pulverförmige Stoffe musste in den neunziger Jahren das Explosionsschutzkonzept dieser Produktionslinie überdacht werden. In einem Nebenraum des neu bezogenen Produktionsgebäudes standen bereits Mahlanlagen, die zur Einstellung der Feinheit von Rohstoffen und zur Konfektionierung von Fertigprodukten genutzt wurden.

Das Mahlgut bestand zum einen aus anorganischen Salzen, zum anderen aus derivatisierten nativen Mehlen. Da eine Mühle aus der Sicht des Explosionsschutzes immer als permanente Zündquelle gilt, war hier eine Gefährdungsbeurteilung zwingend erforderlich. Ausgehend von einem Explosionsschutzseminar, das ich bei der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie besuchte, wurden Untersuchungen der unterschiedlichen Mahlgüter veranlasst, um ihre Brenn- und Explosionskenngrößen zu ermitteln. Aufgrund dieser Messergebnisse wurde in Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie eine sicherheitstechnische Betrachtung der gesamten Produktionslinie und der Mahlanlage durchgeführt.

Waren dafür große Umbaumaßnahmen bzw. Investitionen erforderlich?

Es zeigte sich, dass auf der Basis der Expertenberatung durch einfache konstruktive Maßnahmen ein ausreichender Explosionsschutz gewährleistet werden konnte. 1999 wurden die aus der sicherheitstechnischen Betrachtung resultierenden Maßnahmen umgesetzt.

Haben sich die Maßnahmen bewährt?

Knapp zehn Jahre später ereignete sich in dieser Mahlanlage ein Brand. Das geringe Schadensausmaß des Brandes und die Tatsache, dass keine Personen zu Schaden kamen, waren ein Beleg für die Wirksamkeit der aus der Gefährdungsanalyse festgelegten Maßnahmen. Durch die vorausschauenden Maßnahmen und deren konsequente Umsetzung wurde das Schadensausmaß des Brandes stark reduziert und die Entstehung einer Explosion ausgeschlossen. Dennoch wurden von seiten des Betriebes in gemeinsamer Arbeit mit den Experten der BG Chemie weitere Maßnahmen geprüft, um die Anlagensicherheit weiter zu verbessern.

Interview: Dr. Berthold Dyrba