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Ergonomie: Von Menschen und Computermäusen

Mertens, Arbeitssicherheitsjournal 2009, 4

Thema: Ergonomie: Von Menschen und Computermäusen
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Dr. Martin Mertens
Rubrik: arbeitssicherheit.profil
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2009, 4 (Heft 1)

Ergonomie: Von Menschen und Computermäusen

Dr. Martin Mertens

Schmerzen im Handgelenk, Ziehen im Arm, verspannte Schultern – Schreibtischarbeit am PC kann auf die Dauer eine Reihe von Beschwerden auslösen. Schuld daran kann die Computermaus sein, ein Alltagsgegenstand, der aus dem normalen Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Klein und deshalb wenig beachtet: die Computermaus. Obwohl bereits 1968 erfunden, trat sie ihren Siegeszug erst Mitte der 1980er Jahre an, als sich grafische Benutzeroberflächen bei Personal Computern durchsetzten. Heute ist die Maus neben der Tastatur die Schnittstelle zwischen Mensch und Computer. Dabei haben sich ihre ursprüngliche Form und Funktion kaum verändert. Im Wesentlichen schiebt der Nutzer ein Kunststoffgehäuse über den Tisch, das seine Bewegungen mechanisch oder optisch aufnimmt und in Bewegungen des Mauszeigers auf dem Bildschirm umsetzt.

Bereits die erste Maus hatte auf ihrer Oberseite einen Knopf, um Bildschirminhalte mit der Maus auszuwählen oder zu verändern. Die aktuellen Modelle verfügen über drei „Maustasten“, spezielle Mäuse haben auch mehr. Den meisten Mäusen ist gemein, dass die Tasten auf ihrer Oberseite liegen, sodass man sie am besten erreicht, wenn die Hand des Benutzers horizontal flach auf dem Mausgehäuse liegt. Auch wenn diese Form der Maus auf den ersten Blick ideal erscheint, weist sie hinsichtlich der Ergonomie einige Nachteile auf.

Anatomisches zur Maus-Ergonomie

Sitzt man am Schreibtisch und hat die Arme auf der Schreibtischplatte aufgelegt, liegt bei einer natürlichen Haltung die Handkante auf, weil das Handgelenk kein Drehgelenk ist. Elle und Speiche, die beiden Unterarmknochen, liegen übereinander. Die unten liegende Elle endet im Ellenbogen.

Um eine gewöhnliche Maus zu bedienen, liegt die Hand jedoch oben auf dem Mausgehäuse. Der Unterarm muss also in einer Drehbewegung so ausgerichtet werden, dass die Handfläche nach unten weist. Der medizinische Ausdruck dafür heißt Pronation. Elle und Speiche verdrehen sich gegeneinander, sodass sich die Knochen beinahe kreuzen.

Um diese Stellung aufrechtzuerhalten, wird die dafür beanspruchte Unterarmmuskulatur einer hohen statischen Belastung ausgesetzt. Die kontinuierliche Muskelspannung führt zu einer Beeinträchtigung der Blutzirkulation. Zudem drückt der angespannte Muskel auf den darunter liegenden Nervenstrang. Die Folgen können Schmerzen, Steifigkeit und rasche Ermüdung sein, in schlimmeren Fällen kommen Kribbeln, Koordinationsstörungen der Hand und hoher Kräfteverschleiß hinzu.

Doch nicht nur der Arm, auch die einzelnen Finger müssen das Mausgehäuse aktiv fassen. Auch hier treten häufig Ermüdungserscheinungen auf, da sich die „Maushand“ teilweise einen ganzen Arbeitstag lang nicht oder nur kurzfristig in eine natürliche, entspannte Ruhestellung begeben darf. Bei sehr konzentrierter Mausarbeit, etwa im grafischen Bereich, treten nicht selten Krämpfe in den Fingern auf.

Ergonomische Mäuse

Inzwischen machen sich fast alle Hersteller von Mäusen Gedanken darüber, wie Mäuse ergonomischer gestaltet werden können. Die meisten großen Hersteller wie Logitech, Microsoft oder Cherry haben asymmetrische Mausformen entwickelt, bei denen sich die Hand quasi in Ruhestellung um die Maus schmiegen kann. Die Tasten sind dabei schräg auf der Oberseite angeordnet. Eine entspanntere Haltung der Finger und eine geringere Pronation bedeuten bei der Arbeit mit der Maus eine geringere statische Belastung und damit weniger Beschwerden als bei der Arbeit mit einer konventionellen, symmetrischen Maus.

Einige Anbieter gehen noch weiter und drehen die ganze Mauskonstruktion um 90 Grad. Das Ergebnis ist eine sogenannte „vertikale Maus“, wie sie etwa der dänische Hersteller Evoluent anbietet. Hier ist der Nachteil, dass beim Bewegen der Maus die Handkante über die Schreibtischplatte schleift bzw. die Hand zum Bewegen der Maus leicht aktiv angehoben werden muss. Andere Hersteller versehen eine stark in die Vertikale gekippte Maus mit einer bequemen Auflageschale für die Handkante.

Optimale Funktion für mehr Komfort

Nicht zuletzt sollte eine Maus einwandfrei funktionieren. Mäuse, die die Handbewegungen nicht präzise in Bewegungen des Mauszeigers umsetzen, sind nicht nur ein Ärgernis, sondern führen bei der Bedienung unweigerlich zu Anspannung und Verkrampfung. Gegebenenfalls muss die Abtasteinrichtung – also der Mausball oder die Optik – gereinigt werden. In vielen Fällen hilft auch ein geeignetes Mauspad.

Ein weiterer Komfortfaktor kann es sein, die Empfindlichkeit der Maus den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Für normale Büroanwendungen benötigt man weder die feine Auflösung von Mäusen für Grafiker, noch die hohen Reaktionsgeschwindigkeiten, die Computerspieler oft schätzen.

Alternativen zur Maus

Je nach Einsatzbereich bieten sich Alternativen zur Maus an. An den meisten Laptops befinden sich Touchpads. Die professionelle Variante des Touchpads, die besonders gern im grafischen Gewerbe anzutreffen ist, ist das Grafik-Tablett, das mit verschiedenen Werkzeugen bedient werden kann. Einen größeren Bekanntheitsgrad haben auch sogenannte Trackballs, quasi umgedrehte mechanische Mäuse. Auch hier gilt: im Zweifelsfall ausprobieren.