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Anlage 1 TRGS 612, Technische, organisatorische und persönli...
Anlage 1 TRGS 612
Technische Regeln für Gefahrstoffe Ersatzstoffe, Ersatzverfahren und Verwendungsbeschränkungen für dichlormethanhaltige Abbeizmittel (TRGS 612)
Bundesrecht

Anhangteil

Titel: Technische Regeln für Gefahrstoffe Ersatzstoffe, Ersatzverfahren und Verwendungsbeschränkungen für dichlormethanhaltige Abbeizmittel (TRGS 612)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: TRGS 612
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Technische Regel

Anlage 1 TRGS 612 – Technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen beim Einsatz von Abbeizmitteln im handwerklichen Bereich

(1) Die Rangfolge der Schutzmaßnahmen ist zu beachten:

  1. 1.
    Substitution
  2. 2.
    Technische und organisatorische Maßnahmen
  3. 3.
    Persönliche Schutzmaßnahmen

(2) Schutzmaßnahmen finden sich im Sicherheitsdatenblatt der Abbeizmittel. Detaillierte technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen bei Tätigkeiten mit dichlormethanfreien Abbeizmitteln können auf der Gefahrstoff-Software der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft, WINGIS, oder unter www.gisbau.de nachgelesen werden.

(3) Wenn das Auftreten hoher Lösemittelkonzentrationen in der Luft am Arbeitsplatz nicht auszuschließen ist, muss in Innenräumen - vor allem bei großflächigen Arbeiten - für gute Durchlüftung gesorgt werden, wenn örtlich nicht anders möglich mit technischer Lüftung. Bei Abbeizarbeiten in Räumen und Behältern sind darüber hinaus die Regelungen des Anhangs III Nr. 1 und 3 GefStoffV und der TRGS 507 "Oberflächenbehandlung in Räumen und Behältern" zu beachten.

(4) Arbeitsbereiche, in denen Abbeizarbeiten ausgeführt werden, sind von anderen Bereichen deutlich abzugrenzen und nur solchen Arbeitnehmern zugänglich zu machen, die sie zur Durchführung der Abbeizarbeiten betreten müssen. Unbefugten ist das Betreten durch Verbotszeichen zu verbieten. Auf die BGV A8 wird hingewiesen.

(5) Der Arbeitgeber hat die Funktion und Wirksamkeit der technischen Schutzmaßnahmen regelmäßig zu überprüfen und sicherzustellen, dass die persönlichen Schutzmaßnahmen angewendet und die organisatorischen Maßnahmen beachtet werden.

(6) An nichtstationären Arbeitsplätzen im handwerklichen Bereich wie z.B. Baustellen sind technische oder organisatorische Maßnahmen häufig allein nicht ausreichend zum Schutz der Beschäftigten, Deshalb sind zusätzlich individuelle Schutzmaßnahmen erforderlich. In den Anlagen 2 und 3 zu TRGS 612 werden daher die wichtigsten persönlichen Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Abbeizern angegeben. Der Arbeitgeber hat jedoch zu beachten, dass das Tragen von belastender persönlicher Schutzausrüstung, wie z.B. das Tragen umgebungsluftunabhängiger Atemschutzgeräte (Isoliergeräte), keine ständige Maßnahme sein darf, wenn technische oder organisatorische Maßnahmen, wie z.B. der Einsatz weniger gefährlicher Abbeizmittel, einsetzbar sind. Atemschutzfiltergeräte sowie Atemschutzhauben mit AX-Filtern sind für Abbeizarbeiten mit dichlormethanhaltigen Abbeizmitteln nicht geeignet. Auf die Tragezeitbegrenzungen nach den ,Regeln für den Einsatz von Atemschutzgeräten' (BGR 190) wird verwiesen [7].

(7) Der Arbeitgeber hat seinen Beschäftigten eine ausreichende Zahl von Schutzhandschuhen und Atemschutzgeräte zur Verfügung zu stellen.

(8) Die Gefahr der thermischen Zersetzung von Dichlormethan oder die Brennbarkeit lösemittelhaltiger Abbeizmittel erfordern bei Tätigkeiten mit solchen Abbeizmitteln den Ausschluss von Heizwendeln und Infrarotstrahlern aus dem Arbeitsbereich. Das Rauchen, das Erzeugen von Flammen, Funken oder heißen Oberflächen ist deshalb in allen Bereichen untersagt, in denen ein Eindringen von Lösemitteldämpfen möglich ist. Auf das Verbot ist mit dem Verbotszeichen P02 entsprechend der Unfallverhütungsvorschrift "Sicherheit- und Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz" (BGVA8) hinzuweisen.

(9) Die aus den Abbeizmitteln freigesetzten Lösemitteldämpfe sind deutlich schwerer als Luft. Das Absinken der Lösemitteldämpfe macht es erforderlich, Abbeizarbeiten, beispielsweise in Treppenhäusern, von unten nach oben auszuführen.

(10) Bei Abbeizarbeiten hat der Arbeitgeber die entsprechenden umweltrechtlichen Vorschriften zu beachten. Die anfallenden Abwässer und Farbreste sind aufgrund der bestehenden Einleitgrenzwerte der einzelnen Gemeinden (Abwassersatzungen) aufzufangen und vorzubehandeln. Nähere Hinweise dazu befinden sich im ATV-Arbeitsblatt A 115 (Hinweise für das Einleiten von Abwasser in eine öffentliche Abwasseranlage) [10] und im ATV Merkblatt M 370 (Abwässer und Abfälle aus der Fassadenreinigung) [11]. Herausgefilterte Schlämme und Farbreste sind in der Regel als Sonderabfälle zu entsorgen.

(11) Bei den auf Baustellen üblichen offenen großflächigen Anwendungen ist zu beachten, dass bereits bei Konzentrationen von 690 mg/m3 Dichlormethan "Persönlichkeitsveränderungen bei Menschen" (neurobehavioral changes in Human) [6] beobachtet wurden. Dies gilt insbesondere für Kinder, da diese auf Grund einer höheren Ventilationsrate empfindlicher sind für Dichlormethan-Expositionen. Zudem ist die Konzentration von Dichlormethan auf Fußbodenniveau höher als im Atemwegsbereich der Erwachsenen [6]. Auf Baustellen besteht daher eine Gefährdung für die Beschäftigten anderer Gewerke. Deshalb ist beim Einsatz dichlormethanhaltiger Abbeizmittel besonders darauf zu achten, dass baustellenfremde Personen nicht gefährdet werden.

(12) Bei der Verwendung hochsiedender organischer Komponenten in Abbeizmitteln kann es bei der Verwendung auf porösen Untergrund zu einer stark verzögerten Abgabe in die Raumluft und daher z.B. in Wohnräumen zu einer Langzeitexposition der Bewohner kommen. Bei der Verwendung solcher Abbeizmittel ist dies in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen.