Abschnitt 2.2
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Transport- und Lagerarbeiten (bisher: BGI 582)
Titel: Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Transport- und Lagerarbeiten (bisher: BGI 582)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 208-006
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2.2 – 2.2 Wie viel darf ein Mensch heben?

Begriffe wie "hohe Belastung" und "Schwerarbeit" sind ungenau und unklar, weil sie einerseits von den betrieblichen Gegebenheiten bestimmt werden, aber andererseits vom Wissen, Können und Wollen der Menschen abhängen, die Transportarbeiten durchführen.

Beispiel

Eine Transportarbeit, die von einem jungen, unterwiesenen, trainierten Mann mit Leichtigkeit bewältigt wird, kann für einen älteren Mann oder für einen untrainierten Jugendlichen eine schwere, unzumutbare Belastung bedeuten.

Die zumutbare Belastung eines Menschen kann nur unter Berücksichtigung der technischen und organisatorischen Gegebenheiten des Arbeitsplatzes unter Einbeziehung der persönlichen Risikofaktoren ermittelt werden.

Nach der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der manuellen Handhabung von Lasten bei der Arbeit, kurz Lastenhandhabungsverordnung, sind nach § 2 geeignete organisatorische Maßnahmen zu treffen sowie geeignete Mittel zur Verfügung zu stellen und einzusetzen, um die Gefährdung bei der manuellen Handhabung von Lasten gering zu halten.

Dabei sind zu berücksichtigen:

  1. 1.

    Merkmale der Last (z.B. Gewicht, Schwerpunktlage, Größe, Handhabbarkeit);

  2. 2.

    Geforderter körperlicher Kraftaufwand (z.B. Größe der Kraft, Körperhaltung, Drehbewegung des Rumpfes);

  3. 3.

    Merkmale der Arbeitsumgebung (z.B. Klima, Raummaße, Bodenbeschaffenheit);

  4. 4.

    Erfordernisse der Aufgabe (z.B. Hebehöhe, Arbeitstempo, Transportstrecke, Arbeitsablauf, Erholzeiten).

Risikofaktoren können vorliegen

  • bei mangelnder körperlicher Eignung zur Ausführung der Aufgabe,

  • bei ungeeigneter Kleidung, ungeeignetem Schuhwerk oder sonstigen ungeeigneten persönlichen Gegenständen sowie

  • bei unzureichenden oder unangemessenen Kenntnissen oder bei unzureichender oder unangemessener Unterweisung.

Eine Abschätzung der Belastung kann mit Hilfe der "Leitmerkmalmethode" erfolgen. Diese Methode entspricht den Bedingungen in der betrieblichen Praxis und hat einen speziellen Bezug zum Arbeitsschutzgesetz und zur Lastenhandhabungsverordnung.

Sie ist vom Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) zur Erfüllung der Forderungen gemäß §§ 5 und 6 Arbeitsschutzgesetz anerkannt.

Die Bewertung erfolgt in drei Schritten:

  1. 1.

    Bestimmung der Zeitwichtung;

  2. 2.

    Bestimmung der Wichtung der Leitmerkmale: Gewicht, Haltung und Ausführungsbedingungen;

  3. 3.

    Bewertung.

In Bild 2-4 sind die entsprechenden Hilfsmittel dargestellt.

Beim manuellen Transportieren muss außerdem zwischen Umsetzen und Tragen unterschieden werden:

  • Umsetzen ist das Bewegen einer Last bis zu 2m durch Arm- oder Körperbewegung aus dem Stand oder mit maximal 2 Schritten.

  • Tragen ist das Bewegen einer Last bis zu 50m bei gleich bleibender Körperhaltung und Trageform.

Bild 2-4:
1. SchrittBestimmung der Zeitwichtung (Nur eine zutreffende Spalte ist auszuwählen!)

Hebe- und Umsetzvorgänge (< 5 s)Halten (> 5 s)Tragen (> 5 m)
Anzahl am ArbeitstagZeitwichtungGesamtdauer am ArbeitstagZeitwichtungGesamtweg am ArbeitstagZeitwichtung
< 101< 5 min1< 300 m1
10 bis < 4025 bis 15 min2300 m bis < 1 km2
40 bis < 200415 min bis < 1 h41 km bis < 4 km4
200 bis < 50061 h bis < 2 h64 bis < 8 km6
500 bis < 100082 h bis < 4 h88 bis < 16 km8
≥ 100010≥ 4 h10≥ 16 km10
Beispiele:
  • Setzen von Mauersteinen,

  • Einlegen von Werkstücken in eine Maschine,

  • Pakete aus einem Container entnehmen und auf ein Band legen


Beispiele:
  • Halten und Führen eines Gussrohlings bei der Bearbeitung an einem Schleifbock,

  • Halten einer Handschleifmaschine,

  • Führen einer Motorsäge


Beispiele:
  • Möbeltransport,

  • Tragen von Gerüstteilen vom Lkw zum Aufstellort


Bild 2-4:
2. SchrittBestimmung der Wichtungen von Last, Haltung und Ausführungsbedingungen

Wirksame Last1 für MännerLastwichtungWirksame Last1 für FrauenLastwichtung
< 10 kg1< 5 kg1
10 bis < 20 kg25 bis < 10 kg2
20 bis < 30 kg410 bis < 15 kg4
30 bis < 40 kg715 bis < 25 kg7
≥ 40 kg25≥ 25 kg25
1

Mit der "wirksamen Last" ist die Gewichtskraft bzw. Zug-/Druckkraft gemeint, die der Beschäftigte tatsächlich bei der Lastenhandhabung ausgleichen muss. Sie entspricht nicht immer der Lastmasse. Beim Kippen eines Kartons wirken nur etwa 50 %, bei der Verwendung einer Schubkarre oder Sackkarre nur 10 % der Lastmasse.

AusführungsbedingungenAusführungsbedingungswichtung
Gut ergonomische Bedinungen, z.B. ausreichend Platz, keine Hindernisse im Arbeitsbereich, ebener, rutschfester Boden, ausreichend beleuchtet, gute Griffbedingungen0
Einschränkung der Bewegungsfreiheit und ungünstige ergonomische Bedinungen z.B. 
  • Bewegungsraum durch zu geringe Höhe oder durch eine Arbeitsfläche unter 1,5 m2 eingeschränkt oder

  • Standsicherheit durch unebenen, weichen Boden eingeschränkt


1
Stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit und/oder Instabilität des Lastschwerpunktes (z.B. Patiententransfer)2

noch Bild 2-4: 3. Schritt Bewertung der verschiedenen Wichtungen

Im Übrigen muss die Trageform und Greifart berücksichtigt werden.

Bei

  • schlecht gestalteten Greifflächen, z.B. zu glatt, scharfkantig,

  • ungünstiger Form der Last, z.B. einseitige Körperbelastung, Sichtbehinderung, zu weite Armspreizung und

  • Über- bzw. Unterschreitung der günstigen Greif- und Handhabungshöhen, z.B. Aufnehmen vom Boden durch Untergreifen oder Hochheben über Schulterhöhe,

können Abzüge berücksichtigt werden.

Zusammen sollen die Abzüge 40 % nicht überschreiten.



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